Was müssen Unternehmen, was müssen wir selbst unternehmen, um die Herausforderungen der sich rasch verändernden Welt zu meistern? Die sich in Transformation befindliche Arbeitswelt verlangt – ganz besonders unter dem Eindruck der Digitalisierung sowie der aktuell anhaltenden Coronapandemie – einen lebensstabilisierenden Halt im Alltag, neue persönliche Haltungen zur Arbeit und ein geändertes Verhalten im Beruf. Verschiedene aktuelle Studien und Metastudien haben sich damit befasst, über welche Kompetenzen und Fähigkeiten die am Veränderungsprozess Beteiligten verfügen müssen, um in der „VUKA-Welt“ bestehen zu können.

Im Ergebnis kristallisieren sich eine Reihe von Metakompetenzen heraus, über die die Akteure der neuen Arbeitswelt, unabhängig vom Berufs- und Aufgabenbereich, verfügen sollten. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen sowohl notwendige (erwünschte) als auch elementare (unabdingbare) soziale Fähigkeiten, die Mitarbeitende und Führende in einem Selbstmanagementprozess erschließen oder optimieren müssen. Denn eine externe Unterstützung kann nur den Impuls geben für die permanente individuelle Auseinandersetzung mit den soft skills der neuen Arbeitswelt.

Um den Umgang mit einer sich rasant verändernden und überaus komplexen Welt, deren Unwägbarkeiten und ihren Mehrdeutigkeiten zu beherrschen, bedarf es einer hohen Fähigkeit zur SELBSTORGANISATION. Das Arbeitsumfeld kann zu einem Raum der Überforderung werden, wenn man die eigene Arbeit nicht strukturieren und fokussieren kann. Aber es kann auch zu einem Bereich der Gestaltungsoptionen werden, in dem man die neuen Freiheitsgrade der Selbstverantwortung gezielt nutzt und seinen Arbeitsprozess bewusst beeinflusst oder sogar erschafft. Die kontinuierliche Anpassung der eigenen Kompetenzen an die anspruchsvoller werdenden Anforderungen, learning on the job, job craftig etc. schützen vor Überlastung und verbessern die eigene Expertise. Allerdings können auch gegenläufige Tendenzen den Prozess der Selbstorganisation verstören: z. B. ein verschultes Studium, restriktive Betriebsvereinbarungen und Vorschriften, diverse Überregulierungen usw.

Foto: Wolfgang Schiele

Der richtige Umgang mit schwierigen Situationen, Krisen, persönlichen Belastungen und Stress sollte zum Handwerkszeug in turbulenten VUKA-Zeiten. Hier benötigen wir jedoch Hilfe von außen, weil wir im bisherigen Leben kein Verständnis für das eigene Selbst vermittelt bekamen und den Umgang mit psychischen Störungen nicht gelernt haben. Das Verständnis der sieben Säulen der RESILIENZ – Akzeptanz, Selbstwirksamkeit, Zukunftsorientierung, Netzwerkpflege, gesunder Optimismus, Lösungsorientierung und Eigenverantwortung – ist eine gute Veraussetzung für den souveränen Umgang mit belastenden und frustrierenden Situationen mit dem Ziel innerer Gelassenheit und (Wieder-)Erlangung des seelischen und körperlichen Gleichgewichts. Atemübungen, Übungen in Achtsamkeit und Begleitung durch einen Personalcoach unterstützen und beschleunigen den Prozess der Resilienzstärkung. Am besten funktioniert das durch „Katastrophenprävention für die Seele“ – also durch vorausschauendes Resilienztraining mit einem Coach.

Grafik: Wolfgang Schiele

Künstliche Intelligenz wird zunehmend algorithmisierbare Prozessabläufe im Arbeitsleben ablösen. Die Zukunft menschlicher Tätigkeit besteht im Kreieren neuer Ideen. Das bedeutet, sich von bisherigen Denkmodellen und Gewohnheiten im Arbeitsalltag zu lösen und auf die Suche nach innovativen Problemlösungen zu gehen. Unsere Welt wird immer komplexer, wenn nicht sogar chaotischer (siehe auch die Grafik „Cinefin-Modell“). In solch einem Umfeld sind richtige Lösungen nicht über einfache Kausalzusammenhänge zu finden. Es werden Experimente erforderlich, die a priori keine Erfolgsgarantie versprechen. Die Erkennung von Mustern (was der KI übrigens noch lange sehr schwer fallen wird!) hat Vorrang vor altbekanntem Spartenwissen. Und erst recht in einer chaotischen Arbeitsumgebung: Hier ist erprobende Innovation und KREATIVITÄT gefragt. Das Unvorhergesehene, aus dem Handeln heraus Entstandene ist fürs Erste der richtige Ansatz. Weitere Entscheidungen erfolgen nicht mehr demokratisch, sondern nach Nützlichkeitskriterien. Das verlangt u. a. auch eine völlig neue Fehlerkultur im Umgang miteinander. Aus heutiger Sicht ist es also unumgänglich, sich mit Kreativitätstechniken auseinanderzusetzen und dem Unerwartetem im Gegensatz zu bekannten Routinen weiten Raum zu geben.

Grafik: Wolfgang Schiele

Eine Basiskompetenz im Changeprozess der neuen Arbeitswelt ist für alle Beteiligten eine DIGITALE GRUNDKOMPETENZ. Damit sind nicht nur die Fähigkeit im Umgang mit Tools und Medien gemeint, sondern ebenso der souveräne Umgang mit Datenschutzbelangen, die valide Bewertung von Wissens- und Ereignisquellen, der Schutz von digitalem Eigentum oder auch die Datensicherung vor Cyberkriminalität. Um hier den Lernprozess zu beschleunigen, empfiehlt es sich, zwei Personen mit unterschiedlicher fachlicher und digitaler Kompetenz im Pairingverfahren in einen intensiven Wissensaustausch zusammenzuführen.

Eigentlich sollte das Thema KUNDENORIENTIERUNG in den klassischen, längst umgesetzten und abgehakten Bereich der Kompetenzen fallen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass auch nach vielen Jahrzehnten – und gerade jetzt in einer Zeit des beinahe gläsernen Menschen – die Ausrichtung am Kunden eine neue Qualität erlangt. Kundenorientierung versteht sich als die Kompetenz, Wünsche, Bedürfnisse und (unausgesprochene) Erwartungen interner und externer Klienten und Auftraggebern umfassend und systematisch zu erfassen und umzusetzen. Einerseits soll eine kontinuierliche Beobachtung und Nachverfolgung der Interessen und Bedarfe vorgenommen werden, andererseits ist zyklisch immer wieder Kundenfeedback einzuholen, um dessen neue Sehnsuchtstrends und Begehren in Erfahrung zu bringen. Der Kunde ist dabei sowohl fest in Kopf des Verkaufenden platziert, als auch in Speichermedien und Tools, die immer höhere Kaufwahrscheinlichkeitsvorhersagen gestatten.

Die KOMMUNIKATION gewinnt in einer immer komplexeren und unvorhersehbareren Zeit mehr und mehr an Bedeutung. Dieses Mehr an Austausch vollzieht sich insbesondere zwischen sehr unterschiedlichen Fachdisziplinen. Schon heute müssen wir beim Betrieb einer Internetseite Zugriff auf umfangreiche rechtliche, buchhalterische, digitale und unternehmerische Fähigkeiten haben. Dort, wo wir selbst nicht willens oder in der Lage sind, uns dieses Wissen anzueignen, müssen wir Know-how dazukaufen oder intensiv kommunizieren. Komplexe oder gar hochvernetzte Zusammenhänge kann ein Einzelner nicht mehr allein verstehen. Das beginnt schon bei der klaren Formulierung eines Problems, und endet womöglich beim Erläutern des Arbeitsergebnisses. Kommunikation wird zur Metakommunikation: Man muss verstehen lernen, wie andere Fachleute denken und daraufhin eigene Kommunikationsmodelle erschaffen, die eine effektive Zusammenarbeit im Team ermöglichen. Optimal wäre es, wenn man einen Schritt aus der Diskussion zurücktritt, aus einer höheren Ebene heraus den Austausch beobachtet und dann für sich reflektiert. Grundlagenwissen über die Psychologie menschlicher Kommunikation wäre hier übrigens sehr hilfreich …

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Die SELBSTREFLEXION gestattet uns, die Anforderungen an die Arbeitsaufgaben mit den aktuellen Fähigkeiten abzugleichen und so eine eventuelle psychische und/oder physische Disbalance festzustellen. Sollte eine solche vorliegen, so müssen die persönlichen Bedürfnisse den äußeren Bedingungen (oder umgekehrt) angepasst werden. Am Anfang steht immer die Frage: „Wie fühle ich mich gerade? Über welche Ressourcen verfüge ich? Wo liegen die aktuellen Defizite – und wie kann ich sie abbauen?“
Weiterhin ermöglicht uns die Selbstreflexion, das eigene Lernverhalten zu verstehen und ggf. zu optimieren. Wie viel Handlungsfreiheit benötige ich, wie viele Kontakte sind zum Arbeiten erforderlich, welcher Arbeitskontext hilft mir am besten? In der Diskussion mit Teammitgliedern werden uns bisher übersehene Zusammenhänge bewusst und das „Big Picture“ unter der Oberfläche meist besser erkennbar. Die Selbstreflexion beinhaltet außerdem noch einen wichtigen Aspekt zur Erfolgskontrolle: die Selbstwirksamkeit. In der Analyse über Erreichtes können wir die Erwartungen an ein Arbeitsergebnis mit den tatsächlich erreichten Resultaten vergleichen. Das kann uns in der Überzeugung bestätigen, dass wir auch schwierige Aufgaben lösen können und stärkt nebenbei unser Selbstwertgefühl.

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Aus eigener Erfahrung halte ich die die RESILIENZ, die SELBSTORGANISATION sowie die KREATIVITÄT für die soft skills im Arbeitsleben, bei denen die Organisationen mit ihren Führungskräften und Mitarbeitenden am meisten nachbessern müssen.

Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße

Ihr (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Senioren
Wolfgang Schiele

© Wolfgang Schiele 2020 | Coaching50plus | https://www.coachingfiftyplus.de