Grafik: Wolfgang Schiele

Die Resilienzforschung kennt verschiedene Modelle zu den Säulen und Einstellungen, die den Menschen gegen die verschiedenen Wechselfälle des Lebens, gegen Stress und Transformationsängste psychologisch widerstandsfähiger machen können. Mein Favorit ist auf der vorangehenden Abbildung zu sehen: sieben Resilienzfaktoren und drei lebensbedeutsame Grundeinstellungen. Gestartet bin ich mit der Akzeptanz: https://wp.me/p7Pnay-2Ta, darauf folgte die Eigenverantwortung unter https://wp.me/p7Pnay-2V2.
Fortsetzen möchte ich mit der dritten Säule: der Kreativität.

Im zukünftigen Berufsleben wird es infolge der digitalen Transformation und durch den immer größeren Einfluss der sog. künstlichen Intelligenz darauf ankommen, dass Menschen ihre kreative Seite weiterentwickeln. Schon heute ist vorauszusehen, dass eine Vielzahl von Berufen, die algorithmierbar sind, durch Maschinen ersetzt werden. Was den Vorsprung der Menschen noch auf lange Zeit ausmachen wird, ist zum einen seine soziale Kompetenz, und zum anderen seine Fähigkeit, Neues zu erdenken, bisher Unbekanntes zu kreieren. Maschinen werden aus sich selbst heraus keine eigenständige, zielgerichtete Innovationskraft entwickeln, weil ihnen dazu konstruktive Phantasie und emotionale Innovationskraft fehlen. Menschen sind dazu bis ins hohe Alter in der Lage – wenn die Bedingungen stimmen!

Collage: Pixabay

Wie sieht es nun mit der Fähigkeit kreativen Wirkens im Ruhestand aus? Oftmals war berufliches Entfalten mit respektvollem Zurückhalten verbunden, begrenzte die offizielle Unternehmensphilosophie die Offenheit und Kreativität des Mitarbeiters. Die grenzenlose Freiheit des Denkens, die sich manche von uns erst mit dem Eintritt in den Ruhestand leisten können, sollten wir konsequent nutzen. Sie ist die wichtigste Voraussetzung, um Scharfsinn, Geistesstärke und Einfallsreichtum zu entwickeln. Wir sind nicht mehr daran gebunden, was andere denken, uns vorgeben oder überstülpen. Die Gedanken sind frei – oder sogar „endlich unendlich frei“ – das ist eine wichtige Errungenschaft des Alters im Ruhestand! Und selbst, wenn wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass das Denken im fortgeschrittenen Alter etwas langsamer vor sich geht (wegen der vielen prall gefüllten Erkenntnis- und Erfahrungsschubladen im Kopf dauert die Suche und der Zugriff naturgemäß etwas länger …) – die Wege zu klugen Gedanken und Ideen benötigen Gelassenheit, Ruhe und Entspannung. Ein Mensch im Stress wird kaum schwierige Aufgaben innovativ lösen können. Wir als Senioren hingegen können relaxt Phantasiegebilde entwickeln, Probleme ruhig und gelassen angehen und Ideen nachhaltig reifen lassen.

Nach dem Aphoristiker Gerhard Uhlenbruck ist Kreativität,“ … wenn einem bei dem, was einem auffällt, etwas einfällt.“ Für mich steckt hinter diesem Satz eine wichtige Erkenntnis: Indem wir mit großer Achtsamkeit unsere Umwelt achten, beachten und beobachten, entdecken wir Unbekanntes, Übersehenes und bisher nicht Augenscheinliches. Dafür haben wir jetzt eine Menge freier Zeit und Muße. Die Einsichtnahme in die Kreativität der Natur und Schöpfung gibt auch in uns neue Kräfte für die Ideenentwicklung im Alter und für´s Querdenken frei. Das, was wir neu, anders oder besser denken, schafft im Gehirn weitere neuronale Verknüpfungen. Ein komplexer arbeitendes Gehirn ist nachweislich robuster gegen Demenzen aufgestellt und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer längeren Lebenszeit. Es macht uns resilienter gegen das Altern.

Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße

Wolfgang Schiele
(Vor-)Ruhestandscoach und Resilienztrainer für Senioren

© Wolfgang Schiele 2020 | Coaching50plus | https://www.coachingfiftyplus.de