
Einer meiner Nachbarn und ich sind etwa im selben Alter – wir gehen so langsam (ha, ha) auf die 70 zu. Wir haben uns in den letzten Jahren auf unseren Grundstücken eingerichtet, das Haus in Schuss gehalten und die Gärten gepflegt. Und haben auch ein wenig Nebengelass, weil sich im Laufe des Lebens so manches ansammelt … Sie kennen das.
Aber es gibt solche Menschen und andere Menschen. Solche Menschen möchten in ihrer dritten Lebensphase Ordnung schaffen und beginnen, nicht nur ihr Leben aufzuräumen, sondern auch den Hausrat, die Papiere und das Vermögen; es zu sichten, zu ordnen und – auszumisten. Um der Nachkommenschaft nicht den ganzen großen Kehraus mitzuvererben. Andere Menschen sehen in der vielen Altersfreiheit die Zeit für gekommen, nochmal richtig aufzudrehen und erweitern sich, wo sie nur können. Wie eben einer meiner Nachbarn, der auf seinem Grundstück nunmehr den vierten Anbau errichtet, weil er nicht mehr weiß, wohin mit all den Sachen, die er sich in den vergangenen Jahren zugelegt hat. Schließlich wollen die Holzvorräte, das Motorrad, der Rasentraktor, die neuen E-Bikes, die Außenküche usw. usw. untergebracht sein.
Ich für meinen Teil habe seit dem Beginn meines Ruhestandes auch etwas aufgerüstet, was vor allem wegen meiner Freitätigkeit als Trainer und Coach unumgänglich war. Doch nun gebe ich meinen Nebenjob auf und es heißt, den „Rückbau“ vorzunehmen. Aber dazu verspüre ich noch immer nicht die wahre Lust, zumal ich mit dem Ausmisten auch Herzblut vergießen werde und die materialisierten Erinnerungen an spannende Seminare und Coachings aufgeben muss.
Doch nun kommt mir ein Anlass zu Hilfe, einen großen Teil an „Überflüssigem“ zu beseitigen: Wir wollen das Wohnzimmer und die Küche neu einrichten. Das wird die perfekte Gelegenheit, nicht nach dem „Dreikorbprinzip“ (behalten – vorerst weglegen – entsorgen) vorzugehen, sondern die Radikalmethode anzuwenden. Also – um es mit einem neudeutschen Wort zu beschreiben – „downshrinking“ zu zelebrieren. Kleinschrumpfen! Soll wohl auch der Trend im Alter sein, dass der Körper zu schrumpfen beginnt. Warum also nicht auch die Sachumwelt, unser Lebensumfeld schrumpfen und dem fortgeschrittenen Alter anpassen, sich von der Fülle der Sachen trennen und sich konsequent verkleinern. Man muss ja nicht gleich zum Minimalisten werden …
So zähle ich mich demnächst klar zu den Solchen. Aber da sind noch die Anderen, die „enlarger“, die Vergrößerer. Wie mein Nachbar. Aber vielleicht hat er seinen „Senioren-Kipppunkt“ noch nicht erreicht – oder aber er denkt, man könne den Tod austricksen und doch noch einiges mitnehmen auf die letzte Reise …
Frage: Wie geht es Euch mit fortschreitendem Alter? Eher Vergrößern oder Verkleinern? Gern lese ich Eure Meinung dazu!
Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße!
Ihr (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Senioren
Wolfgang Schiele
© Wolfgang Schiele 2023 | Coaching50plus | http://www.coachingfiftyplus.de

3. Dezember 2023 at 12:08
Von Überflüssigem sollte man sich möglichst bald trennen. Was aber „bleibende Werte“ hat….(?)
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