Warum eigentlich fotografieren wir rechteckige Formate? Es entspricht doch nicht unserer natürlichen Wahrnehmung – wir sehen die Welt durch unsere Augen als – vereinfacht gesagt – horizontales Oval; die Welt, sie gleicht einer Ellipse. Unsere visuelle, binokulare Wahrnehmung beruht auf der Überlappung zweier Teilgesichtsfelder, um auch in die Tiefe sehen zu können, also räumliches Sehen überhaupt erst möglich zu machen. In der Summe entsteht ein Gesamtgesichtsfeld, das in der Breite etwa 214° – jeweils 107° nach rechts und nach links – und in der Höhe 130° bis 150° (60 – 70° nach oben und 70 – 80° nach unten) überstreicht.
[Man könnte somit tatsächlich seine Ohren sehen 😉 …]

Unsere Fototechnik verringert das Gesichtsfeld erheblich. Bei einem Kleinbildformat von 24 mm x 36 mm und einer Objektivbrennweite von 50 mm überstreichen unsere Augen einen möglichen Blickwinkel von etwa 47°. Damit geht eine große Menge an Motivinformationen verloren, die wir vorher visuell erfasst hatten. Insbesondere der Teil der Informationen, der sich in den „Ecken“ unseres Gesichtsfeldes befindet, wird dem fertigen Bild vorenthalten. Und je nach Brennweite unseres Fotoobjektives verändert sich der Blickwinkel des Betrachters. Mit einem Weitwinkelobjektiv der Brennweite 24 mm können wir unseren Betrachtungswinkel auf etwa 84° erhöhen. Ein Teleobjektiv mit 135 mm Brennweite schränkt den Winkel für einen Betrachter auf 18° ein.

Das, was wir in der Natur als Motiv visuell wahrnehmen, müssen wir regelmäßig in Gedanken auf einen weit geringeren Fotobereich herunterreduzieren, es faktisch mental „zurechtschneiden“. Sonst könnte es sein, dass wir von der Wirkung der fertigen Aufnahme enttäuscht sind, weil wir sie vorher sinnlich anders wahrgenommen hatten. Oder mit anderen Worten gesagt: Das rechteckige Foto, das noch dazu über einen stark gestutzten Blickwinkel verfügt und womöglich wichtige Randinformationen unterschlägt, transportiert nicht mehr all die Emotionen und Impressionen, wie sie uns von der Natur ursprünglich dargeboten wurden.

Ich kann mir vorstellen, dass es in Zeiten der KI durchaus möglich ist, Kameras zu bauen, die völlig neue Formate aufnehmen und wiedergeben können. Aber würde diese anders konstruierte Kamera, die Bilder mit oval-elliptischen Konturen produzierte, tatsächlich einen wahrhaftigeren fotografischen Eindruck vermitteln? Würde die bisherige Gewohnheit des Rechteckbildes übertroffen werden von abgerundeten Randformen? Hier bei WordPress hat man ja die Möglichkeit, ovale Bilder zu posten. Das ist zugegebenermaßen eine Vereinfachung dessen, was ich von der oben beschriebenen Aufnahmetechnik erwarte. Aber bewerten Sie gern selbst, welche Bildwiedergabe für Sie den authentischeren Gehalt ausmacht …

Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße!

Ihr freiwillig emeritierter (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Senioren
Wolfgang Schiele

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