Fot: Wolfgang Schiele

Immer mehr Menschen wollen nicht mehr arbeiten müssen … Schlechtes Deutsch, zwei Modaloperatoren in einem Satz – ich weiß! Einige empfinden Lohnarbeit als Freiheitsentzug, andere hadern mit den Arbeitsbedingungen und dem betrieblichen Umfeld, wieder andere fühlen sich körperlich und/oder psychisch überfordert. Die schöne heile Welt des Ruhestandes stellt eine süße und reitvolle Verlockung dar. Nicht umsonst möchten nach einer aktuellen Umfrage mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen möglichst vor dem 63. Lebensjahr in den Stand der Ruhe eintreten …

Nach einer Studie des Demografie Netzwerkes wollen 70% der 40- bis 49-Jährigen maximal bis zu einem Lebensalter von 63 Jahren arbeiten; hingegen können sich Menschen, die bis zum 65. Lebensjahr im Job sind, vorstellen, bis 67 weiterzumachen. Der Trend: Je jünger, desto attraktiver wird ein frühestmöglicher Renteneintritt.

Worin liegt die Versuchung begründet? Bezahlen doch viele der vorzeitigen Berufsaussteiger ihr freiwilliges Outplacement mit dem Strafzoll erheblicher Rentenabschläge! Nach meinen Erfahrungen aus mehr als 10 Jahren Trainings- und Coachingtätigkeit zum Thema Übergang vom Beruf in den Ruhestand möchten viele reife Menschen die verbleibende Lebenszeit nutzen, um verdrängte und „veruntreute“ Biografien so schnell wie möglich auszuleben. Es treibt sie – abgesehen von den aktuellen geopolitischen Entwicklungen – die Angst um, später gesundheitlich nicht mehr in der Lage zu sein, ausgiebige und weitläufige Reisen zu unternehmen, endlich ihre Kindheitsträume zu verwirklichen oder oder oder … Und sie möchten sich – nunmehr frei von den Zwängen der beruflichen Abhängigkeit – eine selbst bestimmte Freitätigkeit suchen. Wobei die Spanne von langersehnter beruflicher Selbstständigkeit über das ehrenamtliche Engagement bis hin zum Ausleben von anspruchsvollen Hobbies reicht.

Es geht um das Erleben von (tätiger) Freiheit sowie das individuelle Ausgestalten von späten Lebensplänen. Für viele geht es ebenso um das Erspüren von Lebenssinn, der sich womöglich all die Berufsjahre lang nicht hat finden lassen! Denn die Zeit wird knapper – die vor ihnen liegt, ist nur noch ein Bruchteil dessen, die bereits abgelaufen ist. Die erhoffte „Glückseligkeit“ im Alter stellt sich allerdings – und hier liegt ein wichtiger Knackpunkt – nicht von selbst ein. Dazu bedarf es einer klugen und besonnenen Vorbereitung mit ausreichendem zeitlichen Vorlauf. Möglichkeiten gibt es viele – einige Chancen, aber auch die gern verdrängten Herausforderungen habe ich in meinem ersten Buch „Rastlos im Beruf, ratlos im Ruhestand?“ (Springer Nature, 2018) beschrieben.

Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße!

Ihr freiwillig emeritierter (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Senioren
Wolfgang Schiele

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