
Es liegt ein großer Unterschied darin, ob ich ein Bild beschrieben bekomme (z. B. beim Buchlesen) oder ob ich ein Bild visuell erfasse (z. B. beim Betrachten eines Fotos).
Unsere Welt und unser Leben bestehen überwiegend aus Bildern. Außerhalb unseres Körpers und innerhalb unseres Körpers. Wir leben in Bildern und wir denken in Bildern. Bilder sind um einiges schneller als die Schrift. Schrift muss erst dechiffriert, verarbeitet und verstanden werden. Das geschriebene oder ausgesprochene Wort führt bei verschiedenen Menschen nicht zwangsläufig zum selben Bild. Denn das Interpretationsspektrum bildbeschreibender Worte kann sehr groß sein. Es hängt zum einen davon ab, welche Erfahrungen wir aus der Welt mitbringen. Und zum anderen, welche Gefühle uns geprägt haben. Und welchen Werten wir im jeweiligen Lebensabschnitt Gewicht beimessen.

Die textliche Beschreibung von Bildern benötigt das Verständnis der benutzten Worte. Jedes Wort transportiert einen Sinn und die Syntax hält sie alle zusammen. Erst wenn wir die semantische Bedeutung aller beschreibenden Worte kennen, können wir sie in einen visuellen Gesamtzusammenhang bringen und das dazugehörige Bild im Kopf entstehen lassen. Heißt: Bilder können aus Worten nur dann entstehen, wenn sie für uns jeweils deutbar sind und ihre Synthese erfolgreich oder ergebniswirksam ist.
Im beschreibenden Satz gehört zu (fast) jedem gelesenen oder erfassten Wort in der Regel ein Einzelbild. Fehlen uns ein oder mehrere Einzelbilder, dann entsteht entweder kein schlüssiger visueller Gesamteindruck oder wir konstruieren ein fehlerhaftes Bild der Wirklichkeit. (Deshalb müssen wir – besonders bei Fachbüchern – die unverstandene Sequenz mehrmals lesen und/oder einzelne Begriffe ob ihrer Bedeutung nachschlagen.) Um einen Sachverhalt zu verstehen, müssen wir also eine komplexe bildliche Darstellung im Kopf entwickeln können.
Im Gegensatz zu Beschreibungen lassen Bilder weniger interpretativen Spielraum zu. Bilder lösen in uns sofort mehr oder weniger intensive Gefühle aus und tragen unmittelbar und nachhaltig zu unserem emotionalen Erleben bei. Sie ziehen uns augenblicklich in ihren Bann, weil sie nicht erst vom Digitalen ins Analoge übersetzt werden müssen. Bilder sind verlässlichere Gedächtnisanker im Leben als Worte. Wie viele Worte, Sätze, Bücher haben wir schon gehört und gelesen – und wie viel davon haben wir uns gemerkt, wie viel hat sich davon in uns eingebrannt …?
Auch wenn mentale Bilder oft unvollständig, fehlerhaft oder verzerrt sind – sie sind die beständigsten und wertvollsten Leuchtfeuer unseres Lebensweges. Bewahren und behüten wir sie, sonst können wir am Ende unseres Daseins den zurückgelegten Weg nur schlecht reflektieren, anerkennen und wertschätzen …
Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße!
Ihr freiwillig emeritierter (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Senioren
Wolfgang Schiele
© Wolfgang Schiele 2025 | Coaching50plus | http://www.coachingfiftyplus.de

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