Grafik: Wolfgang Schiele (Quelle: dreamstime, Toronto Star Graphik)

Ikigai – ein Konzept für Lebenssinn und Erfüllung! Ein sog. „Überlagerungsdiagramm“, das spanische Wurzeln hat und in Japan zu einer Art Daseinsphilosophie weiterentwickelt wurde. Im Zentrum des mehrdimensionalen Modells stehen vier Schlüsselfragen:

„Was liebst du?“
„Worin bist du gut?“
„Was braucht die Welt?“ und
„Wofür kann man dich bezahlen?“

Ich muss gestehen, dass ich auf den ersten Blick keinen unmittelbaren Zusammenhang zur Fotografie erkannt habe. Doch bei genauerem Hinsehen entwickelten sich faszinierende Parallelen zur Person des Fotografierenden. Denn diese – wenn sie sich wahrhaftig und authentisch mit der Fotografie verbunden fühlt – sollte sich an den Werten, Maßstäben und Kategorien messen lassen, die plötzlich hinter den Fragen des Ikigai auftauchen.

Was heißt das konkret für mich als Fotografierender?

Ich liebe meine Fotos. Ja, was denn sonst! Wenn nicht alle, dann aber den übergroßen Teil davon. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil meiner Persönlichkeit – und auch ein Teil meiner Selbstliebe und meines Selbstverständnisses. Ich empfinde das Fotografieren einerseits als eine Leidenschaft und manchmal auch als Sehnsuchtsziel. Sie gibt mir ein Gefühl der Befriedigung und der Nützlichkeit (Passion). Andererseits habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, Spuren zu hinterlassen, den visuellen Dingen einen Sinn zu geben. Das kann durch Text und/oder Bilder geschehen. Ich versuche es aktuell durch eine Fusion von beidem, indem ich „Zitatografien“ erschaffe, die fremde Zitate mit meinen eigenen Bildern möglichst harmonisch und schlüssig verschmelzen.

Was die Welt braucht sind u. a. wahrhaftige und unvoreingenommene visuelle Informationen über das, was um uns herum geschieht. Es erfüllt mich mit Freude und Genugtuung, die Welt – und sei es auch nur auch winzigen Teilen davon – an meinen Werken teilhaben zu lassen. Mit ihnen verbreite ich meine Erfahrungen und Erkenntnisse, oftmals auch meine Trauer oder meine Begeisterung, meine Resignation und Zuversicht. Die Reaktionen der Menschen in den Medien, in denen ich die Ergebnisse meiner fotografischen Arbeiten präsentiere, reflektieren das Interesse und die Wirkung meiner Bilder und Zitatografien (Mission).

Wofür man mich bezahlen kann – genau das belegen die beiden Bücher, die ich geschrieben und fast ausschließlich mit meinen eigenen Fotos und Grafiken versehen habe. Wenn es die Welt braucht, wenn es einen Bedarf dafür gibt, dann kann man dafür auch Geld verlangen! Denn wir leben nicht nur von schönen Worten und Eindrücken allein. Es ist ein starkes Gefühl, einer Bestimmung folgen zu dürfen und gleichzeitig existenzielle Bedürfnisse befriedigen zu können. Die Verwirklichung ideeller Werte bei gleichzeitiger materieller Absicherung ist ein weiteres erstrebenswertes Lebensideal (Berufung).

Die Frage „Worin ich gut bin“ beantwortet sich mit den Talenten, den Fähigkeiten und der Professionalität, mit denen ich mein fotografisches Werk umsetze. Ohne grundlegende Kenntnisse der Fotografie, ohne die Kenntnis von Gestaltungsprinzipien und ohne eine gewisse künstlerische Inspiration wäre ich ein Idealist, den dennoch ein Gefühl der Unsicherheit umtreiben würde. Deshalb ist das Konzept des Ikigai ohne ein Minimum an Fachwissen über die Fotografie und fehlende Kreativität am Bild nicht denkbar (Beruf).

Ikigai ist nicht optimal, wenn nur zwei oder drei Fragen bedient werden können. Wahrer Lebenssinn entsteht erst dann, wenn sich die vier Kategorien Beruf, Berufung, Mission und Passion harmonisch miteinander verbinden lassen und gleichberechtigt sind. Das gilt gleichermaßen für die Fotografie, den Fotografen und das Foto.

Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße!

Ihr freiwillig „emeritierter“ (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Senioren
Wolfgang Schiele

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