Im Rahmen eines wissenschaftlichen Experimentes wurden Menschen gefragt, ob sie – wenn es technisch möglich wäre – lieber zurück in die Vergangenheit oder hinein in die Zukunft reisen würden. Was denken Sie war die klar mehrheitliche Antwort?

Von den dreihundert Personen gab die übergroße Mehrheit an, in die Zeit zurückreisen zu wollen. Und zwar um durchschnittlich 150 Jahre. Die wenigen Zukunftsorientierten wollten nur etwa 40 Jahre vorwärts reisen.

Wir lieben die Vergangenheit! Sie kann uns nichts mehr antun. Wir haben sie mehr oder weniger erfolgreich durchlaufen, sonst würde es uns im Extremfall gar nicht mehr geben. Die Vergangenheit ist ein für allemal bewältigt – egal, mit welchen Mitteln es uns gelungen ist, Probleme zu lösen. Die negativen Emotionen sind entweder mental überschrieben und können neu gedeutet werden, oder sie sind getilgt oder ins Unkenntliche verzerrt. Die Probleme der Vergangenheit – so wir uns ihrer erinnern (wollen) – haben sich aus heutiger Sicht auf wundersame Weise aufgelöst. Deshalb reisen wir lieber zurück. Die Fahrt dorthin ist bekanntlich eine Reise in eine Welt der vollendeten Gewissheiten. Das trifft im übrigen nicht nur auf uns persönlich zu, sondern ganz besonders auf die gesellschaftliche Gesamtentwicklung. Vergangenheit ist problemgelöste, abgeschlossene Geschichte. Auch wenn uns aus gegenwärtiger Sicht die Ergebnisse nicht gefallen mögen.

Ganz anders mit der Zukunft. Sie ist ein gigantischer Möglichkeitenraum. Unüberschaubar, unvorhersehbar und a priori mehr mit unseren Ängsten und Dystopien als und Erwartungsfreude und Visionen belegt. Wir trauen den Ressourcen, über die wir in der Vergangenheit verfügt haben, keine Zukunftslösungen zu. Wir scheuen uns geradezu, positive Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln, Zu unsicher, bedrohlich und ungerecht erscheint uns die Gegenwart, als dass wir uns und der Zukunft über den Weg trauen; geschweige denn für sie neue Ideen entwickeln. Wir klammern uns lieber an die Vergangenheit, denn sie ist überstandene und bewältigte Zeit. Auf die Zukunft schauen wir lieber aus einem Leidenszustand heraus, auf die Vergangenheit eher aus einem Zustand der Zufriedenheit. Aus dem gegenwärtigen „Universum des Jammerns“ (Steven R. Covey) heraus betrachten wir das Zukünftige als eine Zeitzone, die unserer individuellen Kontrolle entzogen ist. Und damit qualitativ weit hinter der Vergangenheit zurückbleibt.

Im fortgeschrittenen Alter – so zumindest mein Gefühl – verstärkt sich dieses Problemerleben für´s Bevorstehende noch. Lieber schwelgen wir in den Erinnerungen an die Vergangenheit, als dass wir uns mit all unseren Fähigkeiten und Potenzialen auf die (völlig) offene und ungewisse Zukunft einlassen wollen. Der Blick zurück reicht bis in meine Kindheit (bei mir weit über sechzig Jahre), der Blick nach vorn dagegen nur gefühlte zehn Jahre. Der Rückblick wirkt beruhigend und gelassen auf mich, die Vorschau verhalten und unsicher. Woran also orientiert man sich am ehesten …?

Wie ergeht es Euch mit dem Lebensrückblick und der Vorschau auf die Zukunft?

Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße!

Ihr freiwillig „emeritierter“ (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Senioren
Wolfgang Schiele

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