
Ist Ihnen auch schon mal aufgefallen, dass ein an sich selten gebrauchtes Wort zurzeit seine Auferstehung feiert? Redakteure und Programmdirektoren scheinen ein vormals selten genutztes Wort für die Nachrichten wiedergefunden zu haben – und das auf fast allen Fernsehkanälen: das Wörtchen „demnach“. Achten Sie mal drauf, wenn Sie Nachrichten hören – und überprüfen Sie, ob dem Wörtchen „demnach“ auch ein zwingender Kausalzusammenhang folgt. (Denn „demnach“ besitzt ja als Synonyme Worte wie folglich, also, darauf, deshalb …) Z. B. bei einer Aussage, wie: „Eine der kriegsführenden Parteien setzte wiederholt Raketen ein, demnach waren mehrere Todesopfer zu beklagen.“
„Demnach“ ist demnach ein sogenanntes Pronominaladverb oder Umstandsfürwort. (Sie merken es bereits, ich verfalle auch schon der Modeanwendung dieses speziellen Adverbs.) Das Wort „demnach“ besteht aus zwei Einzelworten: aus einem „dem“ und dem „nach“. „Dem“ ist der Dativ von „Wer“ und „nach“ eine Präposition der zeitlichen Folge oder Zielrichtung. Mit „dem“ assoziieren wir in erster Linie etwas Männliches. Deshalb sollte eine Aussage mit dem Wort „demnach“ meiner Meinung nach einen Bezug zu einer Person haben, auf die man sich beruft, die eine Folgerung oder Auswirkung beschreibt oder aber eine bestimmte Richtung vorgibt. Nachrichten, die das Wörtchen demnach verwenden, lassen allerdings die Person als Urheber regelmäßig weg und beschreiben lediglich Ursachen, Dinge oder Situationen …
… Aber ja! Nun geht mir ein Licht auf! „Wem“ ist ja auch der Dativ des sächlichen Artikels „das“ – das hätte ich fast vergessen.
Und dennoch: Kann es sein, dass durch die Anwendung des Wortes „demnach“ womöglich eine einengende Berichterstattung erfolgt, weil der Urheber in der Aussage unterschlagen wird und an seiner Stelle „nur“ ein situatives Phänomen als Anlass dient?
Was meinen Sie zu meinen Gedankengängen? – Ach was – geschenkt!
Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße!
Ihr (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Senioren
Wolfgang Schiele
© Wolfgang Schiele 2023 | Coaching50plus | http://www.coachingfiftyplus.de

12. Dezember 2023 at 10:40
Großartige, erhellende Gedanken, auch wenn es so nüchtern erscheint! „Der Teufel steckt im Detail“, – der versteckt sich im Detail. Und finden wir es heraus, vertreiben wir ihn, – jedenfalls, solange wir auf solche Details achten, und sofern wir ihm nicht mehr folgen wollen im Alltage unseres Lebens. Gut gemacht, Herr Schiele!👍
LikeLike