Kann uns Künstliche Intelligenz wahre Fotografie vorgaukeln? Werden wir jetzt und demnächst wissen, ob ein Bild von Menschenhand gemacht wurde? Werden wir erkennen und unterscheiden können, ob das Werk mit menschlichen Emotionen und mit individueller Kreativität erschaffen wurde, um einen Moment der Ewigkeit einzufrieren? Wurde das Motiv von einem Menschen ausgewählt, kompositorisch bearbeitet und dann für ein Bild abgelichtet? Oder hat es ein Maschinenwesen produziert, ein komplexer Algorithmus, prall gefüllt mit dem digitalisierten, vermeintlich wahren Wissen dieser Welt? Eine menschengeschaffene Kreatur ohne Emotionen und Seele, die noch nie durch die Welt gestreift ist und menschliche Freude und Leid empfunden hat?

Ein KI-Bild ist ein Gebilde, ein Produkt, ein Ding, eine Abbild, das es bisher noch nicht gab. Und das ausschließlich digital beschrieben wird. Es ist keine Abbildung der uns bekannten analogen (Um-)Welt, sondern das Ergebnis eines menschlichen Schöpfungsauftrages an eine Maschine. Bei der Erstellung eines Auftragsbildes wird auf den immensen Datenspeicher eines „konditionierten“ Automaten zurückgegriffen. Das entstehende Bild ist damit immer nur ein Imitat; eine komplexe Kombination, Abstraktion oder Synthese dessen, was Menschen oder/und die Natur bereits erschaffen haben. Oder um es noch krasser auszudrücken: Es ist eine geschickte Fälschung, ein Mischdesign natürlicher, von Menschen geschaffener fotografischer oder künstlerischer Werke, deren Quellen zudem auch oftmals noch im Dunkeln bleiben.

Wenn wir diese, uns als Fotografien verkauften Fakes als neuen Bestandteil in unser Weltbild aufnehmen, dann besteht die Gefahr, dass wir selbst bald zum Element der digitalen (Un-)Wirklichkeit, zum Opfer eines schrumpfenden analogen Universums werden. Nämlich dann, wenn die digitale Lawine überhand nimmt und Beruf und Alltag dominiert. Wir werden als Menschen dann nicht mehr gebraucht, nehmen unsere schwer beschädigte natürliche Welt immer weniger wahr und sehen auch keine Notwendigkeit mehr, sie zu schützen, zu verteidigen oder gar zu retten …

Auch wenn wir sie „Künstliche Intelligenz“ nennen, stehe ich doch ganz auf der Seite des US-amerikanischen Informatikers Larry Teslers, der folgendes „Theorem“ formuliert hat: „Intelligenz ist das, was Maschinen noch nicht gemacht haben“. Und von Kunst kann auch keine Rede sein. Mein Fazit: Alles hat seinen Ursprung in der Natur des Menschen – auch die Fotografie – die durch KI verzerrt, verfälscht und manchmal auch verhöhnt werden kann.

Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße!

Ihr freiwillig emeritierter (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Senioren
Wolfgang Schiele

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