Suche

Späte Freiheit Ruhestand

Vom Gelingen der dritten Lebenshälfte

Schlagwort

Späte Freiheit

Krisenabwehr für die Psyche – Resilienz im Alter – Die Akzeptanz (1)

Grafik: Wolfgang Schiele

Die Resilienzforschung kennt verschiedene Ansätze zu den Säulen und Einstellungen, die den Menschen gegen die verschiedenen Wechselfälle des Lebens, gegen Stress und Transformationsängste psychologisch widerstandsfähiger machen können. Mein Favorit ist auf der vorangehenden Abbildung zu sehen: sieben Resilienzfaktoren und drei lebensbedeutsame Grundeinstellungen.

Beginnen möchte ich bei den sieben Säulen, und hier mit der Akzeptanz.

Akzeptanz ist etwas, das wir nicht bekommen oder lediglich dulden. Akzeptanz ist eine aktive Positionierung, die auf Freiwilligkeit beruht. Es ist ein zustimmendes Werturteil, eine klare Parteinahme für einen Vorgang, eine Person oder eine Sache. Um seine Existenz, seinen Lebensweg zu akzeptieren, muss man sich mit der widersprüchlichen Umgebung, seinen persönlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten und den immer komplexeren Sachverhalten auseinandersetzen.

Akzeptanz im Ruhestand bedeutet, mit sich selbst, seiner Biografie, seiner beruflichen Laufbahn, seinen Lebensentscheidungen ins Reine zu kommen. Seinen inneren Frieden zu erreichen, nicht überdrüssig und zornig, nicht verbittert und wütend zurückzuschauen, sondern seinen Lebensweg als wohlgesinnt, zustimmungsfähig und liebenswert wahrzunehmen. Den guten Dingen im Leben, die man selbstbestimmt mit beeinflusst hat, als positive emotionale Höhepunkte zu lieben und zu wertschätzen, und in den schlechten Dingen, die man mit eigenen Mitteln nicht beeinflussen konnte, die Lernchancen zu erkennen, die eine wichtige biografische Korrektur eingeleitet haben.

Akzeptanz beginnt u. a. mit der Einsicht, dass Vergangenes, so wie es verlaufen ist, unveränderbar bleibt. Diese oftmals von Zweifeln begleitete Erkenntnis verunsichert uns zwar, kann uns aber auch die Stärke verleihen, das bisherige Leben im Rückblick als geradlinig, stabil und wertbeständig zu verstehen. Es gab und gibt keinen Vergleich mit einem Weg B, den wir uns manchmal wünschen, weil wir ihn nicht gleichzeitig in einer parallelen Welt durchschreiten können. Was nicht mehr korrigiert werden kann, soll nicht beschämen, schuldbewusst und reumütig werden lassen, sondern uns Mut machen und Hoffnung geben, dass die Zukunft in der „Späten Freiheit“ weiterhin stimmig und schlüssig auf dem kausalen Prinzip von Ursache und Wirkung beruht – und damit verlässlich und beeinflussbar bleibt.

Grafik: Pixabay

Reinhold Niebuhr, einem US-amerikanischen Theologen, wird folgendes Zitat zugeschrieben, das die Qualität der Akzeptanz im Sinne einer Resilienzstärkung sehr gut widergibt:
„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Wenn Sie Ihre Akzeptanzfähigkeit weiter verbessern wollen, dann kann ich Ihnen folgende Übung vorschlagen: Finden Sie für sich in Situationen, die Sie nicht selbst beeinflussen oder verändern können, eine positive Selbstzuschreibung, einen individuellen Kraftsatz, eine Affirmation, die Ihnen als Mensch, als Persönlichkeit, als einzigartiges Individuum weiterhin Lebensmut, Optimismus und Selbstwertstärkung verleiht. Eine solche Satzaussage könnte vielleicht sein: „Auch wenn ich nicht die Macht habe, den Lauf der Dinge aufzuhalten und tatenlos zuschauen muss, wie Menschen sich gegenseitig ausbeuten und erniedrigen, bleibe ich in meiner persönlichen Kraft und Dynamik und liebe und schätze mich so, wie ich bin.“

Affirmationen sind eine große therapeutische Unterstützung beim Akzeptieren und Überwinden von Wechselfällen des Lebens. Vielleicht fällt es Ihnen mit dieser Art von Selbstbestätigung auch leichter, das Ableben des Partners, den Tod eines nahen Verwandten oder langjährigen Weggefährten besser zu verkraften und wieder mehr Lust auf´s Leben zu bekommen. Oder Sie kommen mit einer geeigneten Selbstzuschreibung leichter mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen als Begleiter des reifen Alters zurecht, ohne gleich an Ihrem Gebrechen verzweifeln zu müssen. Die Palette der Möglichkeiten reicht weit …

Im nächsten Beitrag geht es um die Eigenverantwortung als zweite Säule der Resilienz. Bleiben Sie gespannt!

Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße

Wolfgang Schiele
(Vor-)Ruhestandscoach und Resilienztrainer für Senioren

© Wolfgang Schiele 2020 | Coaching50plus | https://www.coachingfiftyplus.de

Was? Mit 60 noch immer nicht zertifiziert als „Ruhestandsexpert|e|in“?

Wie qualifiziert sind Sie eigentlich für den Ruhestand? Haben Sie Ihre wichtigsten Ruhestandspapiere eigentlich immer dabei? Sind Ihre Qualifikations- und Befähigungsnachweise für den Renteneintritt auf dem neuesten Stand? Haben Sie sich schon für Ihre individuelle Ruhestandsstelle beworben? Ich habe gehört, dass die nicht jeden nehmen …
Wie bitte? Sie verstehen gar nicht, wovon ich rede?

Weiterlesen „Was? Mit 60 noch immer nicht zertifiziert als „Ruhestandsexpert|e|in“?“

Die Heldenreise – Episode 11 „Verwandlung und Wiedergeburt“

IMG_6255A

Mehr als zwei Jahre sind seit dem ungewollten Schritt in seinen dritten Lebensabschnitt vergangen. Im Rückblick kommt Robert K. diese Zeit wie eine rasante Achterbahnfahrt vor.

Weiterlesen „Die Heldenreise – Episode 11 „Verwandlung und Wiedergeburt““

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑