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Neulich beim Doktor … da ging es mir durch den Sinn, dass das mit dem Blutbild ja keine wirklich runde, abgeschlossene Sache sein kann. Ich meine, was den Menschen insgesamt betrifft. Mein neuer Hausarzt wollte meinen Körper erst einmal kennenlernen und ordnete eine Blutentnahme zwecks Datencheck zur Körperflüssigkeit Nr. 1 an. Und zur Flüssigkeit Nr. 2 (die gelbliche). So gut, so weit …

Aber warum nur den Körper auf Organschäden, Störungen oder Überlastungen untersuchen? Warum nicht auch die Seele? Sie hat einen großen Anteil daran, dass wir uns wohlfühlen. Und wird einfach unbeachtet übergangen. Denn Gesundheit allein (ich meine die physische) ist ja nicht alles. Auch Lebenszufriedenheit und Wohlergehen gehören zum unteilbaren Dreigespann eines erfüllten und engagierten Lebens. Daher ist es doch nur logisch und folgerichtig, wenn man sie, unsere Psyche, mit in den Check einbeziehen würde. Denn wir sind, was wir denken. Und das Denken beeinflusst nachweislich unsere Körperfunktionen. Stehen wir im Stress, dann beeinflusst er unser Immunsystem negativ und es wird zum Einfallstor von schädlichen Erregern aller Art. Also macht mal gleich auch den Psychocheck mit, um ein Gesamtbild des menschlichen Zustandes zu erhalten.

Ach ja, wo wir gerade dabei sind. Eines fehlt ja dann immer noch: der Geist. Denn Körper, Seele und Geist gehören untrennbar zusammen. Wir sollten also auch nachschauen lassen, wir es mit unseren Intelligenzen steht: der kognitiven, der emotionalen und der adaptiven (also der Anpassungsfähigkeit an die äußeren Umstände. Sie entpuppt sich neuerdings als wichtigste unserer Intelligenzen). Erst dann entsteht ein Big Picture und formt sich zu dem, was und wer wir aktuell wirklich sind: eine einzigartige, unverwechselbare Persönlichkeit Mensch, dessen organische, psychische und intellektuelle Einzelkomponenten bestens, so lala oder miserabel zusammenarbeiten.

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Warum kann das Gesundheitswesen neben den Nieren- und Leberwerten, der Anzahl der Thrombozyten und Blutplättchen nicht auch die Menge und Konzentration der Neurotransmitter bestimmen? Dopamin und Seratonin, Oxytocin und Testosteron geben ergänzend zu den Blut- und Urinwerten eine Menge Auskunft über unseren aktuellen Zustand. Ja, letztere könten vielleicht sogar besser erklären, warum wir uns gerade nicht so wohlfühlen.

Und noch eines: Die ganze Untersuchung kam eigentlich nur deshalb zustande, weil ich – schon ein wenig verzeifelt – nach einem Impftermin gesucht habe und nach gefühlt zwanzig Versuchen in den Internetlinks immer wieder an der Meldung scheiterte, dass sie keine Termine vergeben können. Also ein weiterer Versuch beim Hausarzt. Mein neuer Mediziner kannte zwar mittlereweile die Krankenakte (aber wer hat schon die Zeit, fünf Kilo Papier zu lesen …), gab mir die AZ-Spritze, bestand dann aber auf einer gründlichen Blutbeschau. Manche Menschen haben eine Heidenangst vor dem Impfen. Vor einem Piekser, einer unscheinbaren Körperverletzung, die einen gesunden Menschen durch eine Injektion krank machen könnte. Ich sehe das eher positiv, denn es ist ja ein Zugewinn an Immunstoff, den man erhält, weil er mehr Heil verbreitet als Unheil (siehe die Pocken, die seit dem Ende der 70er Jahre ausgerottet sind, weil man alle, wirklich alle Menschen geimpft hat). Und die Hoffnung auf eine bessere, gesündere Zukunft. Meine Ansicht. Das Gegenteil davon ist eine Blutentnahme; neben einer umfangreichen Körperverletzung (über deren Ausmaß die Impfgegner im übrigen gar nicht reden …) wird hier ein Defizit erzeugt. Ist die Probe erst einmal entnommen, kann das Ergebnis zu einer Bedrohung werden, weil Leiden festgestellt werden könnten, von denen man bisher nichts wusste (und ohne diese noch lange glücklich leben könnte …). Denn ich halte es mit dem Satz: Ich habe ein Recht auf Nichtwissen.

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Gerd Giegerenzer, der deutsche Psychologe und Chefheuristiker, hat z. B. untersucht, ob Frauen, die an einer Reihenmammografie teilgenommen haben, ein geringeres Sterberisiko an Brustkrebs aufweisen, als Frauen, die nicht am Screening teilnahmen. Nicht einmal eine von 100 teilnehmenden Frauen blieb vom Krebstod verschont. Es gab keinen nennenswerten Unterschied bei der Mortalitätsrate zwischen den beiden Gruppen. Warum sich umsonst verunsichern lassen, wenn man doch die nächste Zeit ohne psychischen Druck das Leben genießen könnte? Es gibt seiner Ansicht keinen bewiesenen Nutzen, nur belegten Schaden. Also sollten wir doch unsere Risikokompetenz verbessern und unseren gesunden Menschenverstand, unsere Seele und unser Bauchgefühl befragen, was wir wirklich brauchen, um ein erfülltes, wenn auch nicht schmerzfreies und unendlich langes Leben zu führen. Denn chemisch-physikalische Messwerte unterliegen nicht selten dem Irrtum, werden oftmals falsch interpretiert und sind gedacht für die große Masse der Menschen – und nicht für den Einzelfall.

Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße!

Ihr (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Best ager
Wolfgang Schiele

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