
Warum wollen eigentlich so viele Menschen um die 60 in den Ruhestand? Warum opfern sie den lebenslangen, und manchmal gar nicht geringen Abschlag von der Rente? Warum fliehen sie die Arbeitswelt und marschieren schnurstracks in den Ruhestand? Was macht die Rente mit 63 so attraktiv? Oder besser: Was erspare ich mir, wenn ich die erstbeste Gelegenheit nutze und mich aus dem Berufsleben verabschiede?
Es hat offensichtlich etwas mit der Müdigkeit zu tun. Mit der Müdigkeit aus Überforderung. Überforderung wegen der vielen multifunktional auf uns einwirkenden Krisen, mit der sich potenzierenden Unsicherheit im Leben. Es wäre vielleicht einfacher, wenn sie nacheinander kämen, aber sie brechen über uns im Jahrestakt herein.
Jeder zweite Arbeitnehmer sagt heute von sich, „dass er in den vergangenen drei Jahren deutlich an Kraft eingebüßt habe“ (DIE ZEIT, N° 8 vom 15. Februar 2024). Bereits 1998 erschien ein Klassiker der Soziologie. Sein Titel „Das erschöpfte Selbst“ von Alain Ehrenberg. Die Erschöpfung ist kein Phänomen der Neuzeit. Schon zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden die nervösen Erschöpfungszustände unter dem Sammelbegriff der „Neurasthenie“ zusammengefasst. Diese Störung soll um 1910 als häufigste Krankheit diagnostiziert worden sein! Welch Vorläuferparallelität zu unserer heutigen Zeit! Nur dass man den Begriff der Neurasthenie durch die Diagnosen Burn-out und Depression ersetzt hat …
Der Ruhestand also als Ausstieg aus der Erschöpfungsgesellschaft und der persönlichen Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Zerschlagenheit, ja der eigenen Ohnmacht! Als Zuflucht vor Schwung- und Energielosigkeit, als Ausweg aus Fatalismus und Lustlosigkeit in der Dauerkrise. Raus aus der Fremdarbeit, der disziplinarischen Unterwürfigkeit und hinein in die Freitätigkeit, die intrinsisch veranlasst eine Vielzahl von Beschäftigungsalternativen bereithält. (Aber uns auch eine eine gute Portion Eigenverantwortung abverlangt.) Es geht um nicht mehr oder weniger als die Selbstgestaltung und -optimierung unserer Zukunft, die uns oftmals ein Berufsleben lang verwehrt war!
Wir verlassen das Berufsleben, um der Erschöpfung etwas entgegenzusetzen. Um die (Berufs-)Müdigkeit zu überwinden. Waren wir bisher getrieben von den Erwartungshaltungen verschiedenster Auftraggeber und dem egoistischen Gedanken, Karriere, Geld und allen alles recht zu machen, so kann nun eine neue Zeit beginnen; eine Zeit des „ERFOLG-reich-SEINs“. Überwinden wir unsere Müdigkeit, lassen wir uns nicht länger erschöpfen, sondern schöpfen wir den Mut, unsere Zerschlagenheit durch neue persönliche Ideen in der dritten Lebensphase zu ersetzen!
Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße!
Ihr freiwillig emeritierter (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Senioren
Wolfgang Schiele
© Wolfgang Schiele 2024 | info@coachingfiftyplus.de

20. Februar 2024 at 20:40
😊
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20. Februar 2024 at 20:40
🙋
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20. Februar 2024 at 19:55
Sehr schön beobachtet …
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20. Februar 2024 at 19:55
… gefunden in Heidelberg vor vielen Jahren … da wusste ich noch nicht wirklich, dass auch ich alt werden kann …
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20. Februar 2024 at 19:25
D.h. : Der Jüngere hat hier das „Sagen“…. Und der Alte „schaltet ab“. .
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20. Februar 2024 at 19:20
Dies Gegenüber der beiden Alten erzählt seine eigene Geschichte..😊
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20. Februar 2024 at 12:35
Ja, das sind Intentionen, die auch ich gern unterstütze. Als ich nicht ganz freiwillig mein Arbeitsfeld verlassen musste, stand für mich fest, eine FREIE TÄTIGKEIT aufzunehmen, die mir Spaß und Sinn bietet, aber genug Freiraum für die eigenen Träume. Zugegeben: Ich war sozial relativ gut abgesichert, was es mir erleichterte, nicht jeden Auftrag als Freelancer annehmen zu müssen.
Beste Grüße und eine schöne Restwoche – Wolfgang
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20. Februar 2024 at 11:33
Ich fand es schon vor 5 Jahren befremdlich, wenn Kollegen mir genau sagen konnten wieviel Monate und Tage und Stunden sie noch „haben“ bis zur Rente. Also ich kann nicht mit Abschlägen gehen, da hab ich dann noch weniger als wenig, deshalb werde ich, selbstwenn ich mit 65 nach 45 Arbeits Jahren in Rente gehen kann, bestmöglich weiter arbeiten wollen. Wenn ich gesund bin. Weil ich es mag, zu arbeiten. Weil ich meinen Sinn nicht verlieren möchte, meine Achtung vor mir. Meine Aufgabe? Es ist ein interessantes Thema, ja ich bin auch müde aber wenn ich dafür Sorge dass ich arbeitsfähig bleiben kann, dann tu ich das. Vielleicht krieg ich mal ne Reha? Zum aufladen der Energie? Ich schrieb das mal in einem sozialennetzwerkblödsinn. Man betitelte mich als boomer…. Nu ja…. Ist so vielleicht. Grüße Katrin
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20. Februar 2024 at 10:48
Liebe und beste Grüße zurück – Wolfgang
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20. Februar 2024 at 10:01
Diese Gedanken trafen auf die meinen der Dankbarkeit, dass ich mich nicht mehr einreihen muss!
Man lese dazu das Buch „Damenprogramm“, dort trifft man Mannigfaltiges dazu!
Schöne Grüße von Sonja
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