
Stellt Euch vor: Meine Geburtsurkunde ist nicht mehr auffindbar (das kommt davon, wenn man sein Leben aufräumt …). Womit ich konsterniert feststelle, dass es mich gar nicht gibt … Zumindest im bürokratisch-juristischem Sinne bin ich überhaupt nicht vorhanden, nie zur Welt gekommen. Es gibt mich administrativ nicht. Folgerichtig kann ich sie – weil ohne Papiere – gar nicht verlassen, diese Welt. Ich bin also auch gleichzeitig unsterblich. Leider nur im juristisch-bürokratischen Sinne.
Ich kann sie, die Urkunde, aber wieder beantragen. Dann guckt ein Standesbeamter ins Sterberegister und stellt, natürlich gegen einen Obolus, einen neuen Geburtsschein aus. Ich werde also neu- oder wiedergeboren. Durch die Bürokratie. Wenn ich es denn will. Allerdings muss das vor dem 110. Geburtstag geschehen, weil das Geburtenregister gesetzlich nur 110 Jahre lang geführt und dann gelöscht wird. So wird z. B. besonders lang lebenden Menschen ihr Leben abgeschnitten. Also ist es gut, dass mir der Verlust schon früher, nämlich jetzt mit gut 70, aufgefallen ist.
Nun werde ich mich um neue Papiere kümmern müssen, denn so ein Untotenleben ist nicht ganz ohne Fallstricke. Ich dürfte dann nicht wieder heiraten, würde Erbschaften ausschlagen müssen und könnte keinen Pass beantragen. Aber man hat Rennereien, denn man muss sich mit seinem Geburtsstandesamt in Verbindung setzen. Liegt bei mir nicht gleich um die Ecke. Wenn das gute Stück dann endlich ausgestellt und bei mir ist, werde ich meine Wiederauferstehung als Mensch und Bürger feiern!
Ich sollte die Neugeborenenurkunde dann auch so verwahren, dass ich selbst im Falle von Demenz noch in der Lage wäre, sie zu finden. Sonst sterbe ich vielleicht auch noch meinen nächsten de-facto-Tod. Also: Passt gut auf Eure Existenzurkunde auf – sie bedeutet so viel!

Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße!
Ihr freiwillig „emeritierter“ (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Senioren
Wolfgang Schiele
© Wolfgang Schiele 2025 | Coaching50plus | http://www.coachingfiftyplus.de

16. Februar 2025 at 14:06
Genau so ist es !
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16. Februar 2025 at 10:15
Aber wie gut, daß man selbst weiß und fühlt, lebendig zu sein.
Und wer inzwischen so bekannt geworden ist, hat zumindest viele Zeug/innen der eigenen Existenz.☺️
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