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Späte Freiheit Ruhestand

Vom Gelingen der dritten Lebenshälfte

Schlagwort

Tod

Was unseren Abschied so schwer macht …

Grafik: Pixabay

In meinen dreitägigen Workshops zum Übergang vom Beruf in den Ruhestand biete ich neben feststehenden Inhalten auch regelmäßig zwei Themen zur freien Auswahl an: „Altersgerechtes Lernen“ und „Existenzielle Grundsatzfragen“. Nach nunmehr weit über 20 Veranstaltungen hat sich statistisch gesehen ein klarer Favorit herauskristallisiert: die existenziellen Fragen nach Irvin Yalom, u. a. zum Tod. Warum ist das so?

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Die späten Traumata der „Centenarians“ (100+)

Im Jahre 2009 hat der Verlag Reader´s Digest eine Untersuchung initiiert, die die Lebenserwartungswünsche der Deutschen erfassen sollte. Die Teilnehmer hatten die Wahl, sich zwischen folgenden Alternativen zu entscheiden: Würden Sie gern 70 Jahre, 90 Jahre, 110 Jahre, 150 Jahre oder 300 Jahre alt werden oder ewig leben?

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Alternative FriedWald?

Als ich im Februar diesen Jahres meine Vorsorgeunterlagen zusammengestellt habe, stand für mich auch die Frage nach der Art meiner Bestattung an. Ohne lange nachzudenken, kreuzte ich „Friedwald“ an, weil ich viele Jahre recht naturverbunden gelebt habe. Aber konkrete Vorstellungen hatte ich damals noch nicht …

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Der Ruhestand – eine Lebensphase im Dilemma zwischen Erleben und Tod

Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass mit zunehmendem Alter die Gedanken an unser Ableben immer weiter in den Mittelpunkt rücken werden. Nunmehr von der als unendlich lang empfundenen Alltagszeit befreit, wird uns immer bewusster, dass unsere „Restlaufzeit“ kürzer und endlicher wird. Der Abstand von Existenz sichernder Tätigkeit und die bedingungslose Freiheit unseres Denkens und Handelns lassen uns auch immer weiter vordringen in ungekannte mentale, transzendente und spirituelle Welten …

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Das „Baumhoroskop“ von Aschersleben – Wertschätzung nach dem Tode

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Auf dem Weg zu meinem Seminarurlaub in Hannover habe ich einen Zwischenhalt eingelegt, um die Grabstellen meiner Eltern zu besuchen. Seit fast zwei Jahren war ich nun nicht mehr hier und dafür sehr erstaunt, dass der für den Friedhof zuständige Bauhof eine würdige und wertschätzende Urnenanlage gestaltet hat. Im sogenannten Erinnerungsgarten befindet sich das Ascherslebener „Baumhoroskop“ …

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Gibt es ein Leben vor dem Tod?

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Foto: Wolfgang Schiele

Vorige Woche in einem Seminar im Oberfränkischen. Wir haben im Workshop „Aktiv in den Ruhestand“ gerade über die vielfältigen Kompetenzen von Menschen im Alter zwischen Beruf und Ruhestand debattiert. Die Diskussion ist konstruktiv und an vielen Stellen auch humorvoll. Dann treten wir in die Mittagspause ein. Und ich weiß bereits jetzt, dass die nächste Seminarstunde ein wenig schwierig werden könnte, weil wir das Thema „Erleben und Tod“ angehen werden. Doch da springt mir ein Teilnehmer mit niederländischer Abstammung, Anfang 60, neben dem ich am Mittagstisch sitze, unbewusst zur Hilfe.

Und fragt spontan und ganz wie nebenbei, an die Tischnachbarn gewandt: „Gibt es ein Leben vor dem Tod?“ – Betretenes Schweigen (was jedoch im Zusammenhang mit dem Mittagessen höflich und etikettenkonform erscheint). „Also, ich habe es noch nicht geschafft, mein Geld auszugeben. Da  muss ich mich wohl sputen.“ (Jetzt reagieren einige Tischnachbarn mit etwas süßsaurer Miene, was gegebenenfalls am Essen liegen mag.) „Ja, so ist das – ich hatte noch keine Zeit, es zu verleben und das Leben zu genießen.“ (In den Gesichtern der Tischnachbarn scheint Mitleid aufzukommen …).

Ja, haben wir es wirklich gelebt, unser Leben? Haben wir unsere Biografie so gestaltet, wie wir sie uns als Kinder und Jugendliche vorgestellt hatten? Oder sind wir ihm untreu geworden, unserem persönlichen Lebenslauf? Haben uns immer wieder im Leben äußeren Zwängen und Einschränkungen untergeordnet, bis wir nicht mehr das Leben lebten, was wir uns vorgestellt hatten? Was, wenn wir bisher nur Banalitäten erlebt und wenig Sinnvolles und Erfüllendes mitgenommen haben? Uns nicht selbst verwirklichen konnten – egal, ob mit Geld oder ohne selbiges? Und genau in diesem Moment musste ich an ein Lied von Asaf Avidan denken, den „Reckonning Song“, in dem es in der deutschen Übersetzung heisst:

„Eines Tages, Baby, werden wir alt sein.
Oh Baby, werden wir alt sein.
Und an all die Geschichten denken, die wir uns hätten erzählen können …“

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Und an Julia Engelmann, die auf genau diesen Songtext so genial „geslamt“ hat. Was in meiner Begriffswelt nichts anderes bedeutet, als dass sie den Text als Vorlage für eine freie sprachliche (Weiter)Interpretation genutzt hat. Ziemlich zielsicher für die Vertreter jener Generation, die die dritte Lebensphase gerade noch so vor sich hat. Aber selbstredend auch für die Jüngeren, die nur den Mut aufbringen und die Chancen ergreifen müssen, um in der späten Freiheit des Lebens nicht sagen zu müssen: da gibt es etwas, was wir bereuen müssen (https://www.youtube.com/watch?v=DoxqZWvt7g8).

Der Anstoß des Teilnehmers mit niederländischem Migrationshintergrund machte mich sehr nachdenklich, wurde aber dann doch zu einem motivierenden Aufhänger für den Fortgang des Workshops zum Thema „Aktiv in den Ruhestand“ und letztlich zu einem vollen Erfolg.

Ihr (Vor)Ruhestandscoach Wolfgang Schiele

© Wolfgang Schiele | Coaching50plus | http://www.coachingfiftyplus.de

 

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