Nach dem beruflichen Leben folgt der Ruhestand.
Und man steht vor der Frage: Was fange ich damit an?
Wie stelle ich mir diese Lebensphase eigentlich vor? Welche Dinge sollen hier noch geschehen?

Hinter diesen Fragen steht bei einigen Menschen die Befürchtung, nicht auf eine Zeit der Selbstbestimmung vorbereitet zu sein. Und womöglich die Angst, unbedarft in die dritte Lebensphase zu gehen. Und vielleicht auch noch die Sorge, die kommende Zeit nicht wirklich sinnvoll gestalten zu können.

Die Vertreter der Positiven Psychologie verknüpfen die Frage nach der menschlichen Bestimmung mit der Art von Leben, dem wir uns noch widmen wollen. Wie sollte es sich anfühlen? Als ein Leben mit aktiv geschaffenem Erfolg oder als eine lose Aneinanderreihung vorbeiziehender trister Ereignisse, als ein weiterer Daseinsabschnitt früherer Fremdbestimmung … oder aber doch als eine Zeit der gestalteten Selbstentfaltung?

Wir haben es zweifellos selbst in der Hand und können wählen:

Da wäre zum einen das „leere“ Leben, das wir mühelos erreichen können, in dem wir passiv auf die Welt schauen und darauf warten, dass uns deren Geschenke gereicht werden. Es wird jedoch oberflächlich und ohne Sinntiefe verlaufen. Das hat den Vorteil, dass wir nur wenig falsch machen können, weil wir keine folgenreichen Entscheidungen mehr treffen müssen. Allerdings beinhaltet es auch die Gefahr der Monotonie und Biederkeit.

Dann wäre da das „aufopfernde“ Leben: Wir geben uns den Erwartungen und Vorstellungen Dritter hin. Wir können uns vereinnahmen lassen und im schlimmsten Fall ausgenutzt werden. Dieses saure Leben ist dann nicht auf uns zugeschnitten, sondern lindert die Sorgen der anderen. Es wird ein Ich-fernes Leben sein, das am Ende zu Reue und Eigenverachtung führen kann, aber auch zu tiefster Befriedigung – wenn uns das Wohl der anderen mehr am Herzen liegt, als unser eigenes.

Als drittes hätten wir das „süße“ Leben, von manchen auch als verschwendetes Dasein betrachtet. Es schwelgt im Genuß und hat wenig Tiefgang. Der Mensch lebt für den Moment, er giert den Augenblicken des Glücks hinterher und merkt bald nicht mehr, dass seine Hatz ihn unendlich weit entfernt von den wirklichen Werten im Leben. Es ist das Leben eines konsequenten Hedonisten, der immerwährenden Befriedigung platter und fremdgenährter Bedürfnisse.

Last but not least ist da noch das ideale, das „erfüllende“ Leben, das den inneren und äußeren Maßstäben und Tugenden am nächsten kommt. Eine gelungene Kombination konstruktiver und aktiver Gestaltung der eigenen Persönlichkeit und des sozialen Umfeldes. Indem der Vertreter des idealen Lebens immer wieder einen Abgleich zwischen Selbstentfaltung und Umweltprägung, zwischen Selbstfindung und Außenwirkung vornimmt, formt er blühende Landschaften in seiner Seele und in der Welt um sich herum.

Die „Positiven Psychologen“ nennen den Zustand, in dem sich ein Mensch der letzten Kategorie befindet, „Flourishing“ – oder Aufblühen. Aufblüher sind Menschen, die alles dafür tun, gesund, leistungs-, genuss- und arbeitsfähig zu bleiben und sie erhöhen in ganz besonderem Maße und sehr bewusst ihre Lebenszufriedenheit und ihr Wohlbefinden. Sie finden den Königsweg zwischen dem „Wohlfühlglück“ der Hedonisten und dem „Werteglück“ der Tugendhaften.

Konnten Sie sich schon entscheiden? Welches der vier Leben ist Ihr Zukunftsmodell für die dritte Lebensphase? Nicht nur die Zeit um den Jahreswechsel bietet die Gelegenheit zu Selbstverpflichtungen und guten Vorsätzen …

Ihr (Vor-)Ruhestandscoach Wolfgang Schiele

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