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Wollen Sie etwa bis 67 arbeiten? Nein, schon mit 63 aus dem Berufsleben ausscheiden? Oder vielleicht doch noch eher, so mit 50 oder gar 40 Lebensjahren? Dann sollten Sie auf die „fire“-Methode setzen, die in den Vereinigten Staaten bereits einige tausend Anhänger besitzt, die auch Frugalisten genannt werden.

Geiz lässt frei!
Fruga … was bitte, wer bitte? Frugalisten! Nichts Beleidigendes oder Herabsetzendes, und auch kein neues Buzzword in den sozialen Medien. Sondern ein Synonym für Menschen, die in ihrer ersten Lebenshälfte erst einmal völlig anspruchslos, äußerst bescheiden und extrem genügsam leben und umfassend für die Zukunft sparen. Spezialisten haben ausgerechnet, dass man – entsprechendes Einkommen vorausgesetzt – nach seinem 40. Geburtstag bis zu 60 Jahre lang von seinen Ersparnissen aus dem frühen Berufsleben und weiteren Geldanlagen leben kann. Vorausgesetzt, man stellt bis dahin keine Ansprüche ans Leben und lebt extrem zurückhaltend, asketisch oder spartanisch. Je nach Typ. Boshafte würden sagen: geizig sich und anderen gegenüber sein.

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Frugales Leben ist möglich!
Die Entwicklung des Frugalismus soll nach der Finanzkrise 2007/2008 in den USA begonnen haben – Menschen wollten sich komplett finanziell unabhängig von Lohnarbeit machen und ihren eigenen Lifestyle pflegen. Oftmals halten sie sich für Umweltaktivisten, die einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck hinterlassen wollen oder auf der Suche nach einem alternativen Leben zur Konsum- und Spaßgesellschaft sind. Ihre Devise – siehe auch oben – wird unter dem Akronym f i r e geführt: „financial independance, retire early“ (finanzielle Unabhängigkeit, früher Ruhestand). Und das ist durchaus machbar für einen Durchschnittsverdiener in Deutschland.

Ein Rechenexempel
Kleine Milchmädchenrechnung: Der Durchschnittsverdienst in Deutschland liegt aktuell bei 3994 € brutto im Monat. Die verfügbare durchschnittliche Ersparnis, die sich aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamtes ergibt, liegt bei durchschnittlich 539 € (584 € West/365 € Ost). Dieses Geld wäre bei durchschnittlichen Ausgaben verfügbar. Nehmen wir nun einmal an, es gelänge Ihnen, ihren Konsum zu reduzieren, kaum Fremddienstleistungen in Anspruch zu nehmen und auch sonst auf einigen Luxus zu verzichten, wie z. B. größere Urlaube, so kann ich mir einen Sparbetrag von bis zu 750 € für gemäßigte Hardcore-Frugalisten vorstellen. Wenn man dann einen Banksparplan bespart, am besten ein sog. „Pantoffeldepot“ nach den verschiedenen Varianten der Stiftung Warentest – Finanztest -, dann sammeln sich nach 20 Jahren beträchtliche finanzielle Mittel an. Denn trotz der Krisen der letzten 30 Jahre liegen die jährlichen Renditen der verschiedenen Modellrechnungen (defensiv, ausgewogen, offensiv, Aktie-ETF) zwischen 3,5 und 6,0 % pro Jahr. Jetzt schnell einen Sparplanrechner bemühen und los geht´s: 750 € monatlich über 20 Jahre angelegt und zu einem realistischen Satz von 4 % verzinst, ergeben gut 275.000 € Endkapital! Eine hübsche Summe. Da man dem Vermögen immer nur Teilbeträge entnimmt und sich weiter Zinsen ansammeln, hat man gute Chancen, viele lohnerwerbsfreie Jahre damit zu finanzieren. Geht man übrigens von einem Zinssatz von 5% aus, ergeben sich über 307.000 € Frugalitätskapital! Angenommen, dass das Geld 40 Jahre reichen muss, kann man sich eine monatliche Entnahme von 1300 € leisten.

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(Bedingungsloses) Grundeinkommen selbst schaffen!
Sparen, sparen, sparen – in den ersten vierzig Jahren! Und dann das Leben ohne berufliche Zwänge nach seinen Vorstellungen gestalten. So, als ob man das bedingungslose Grundeinkommen vom Staat erhielte, lebenslang. Selbstredend kann man sich nach dem Ausstieg aus dem Erwerbsleben keinen Luxus leisten. Aber bei einer gewissen Art von konsumtieller Einschränkung ist man unabhängig von Erwerbszwängen und Pflichten gegenüber Dritten. Und mit dem Eintritt in das Rentenalter kommt auch noch ein kleiner „Zuverdienst“ vom Staat dazu: Die Rente aus vielleicht 20 Jahren Beitragszahlung!

Frugalisten = Schmarotzer der Gesellschaft?
Einigen der Frugalisten wird ja nachgesagt, dass sie das Gemeinwohl missbrauchen, in dem sie der Gesellschaft den Konsum verweigern, um sich gleichzeitig durch geschickte Geldanlagen an ihr zu bereichern. Verächtliche Kritiker meinen sogar, dass dieses Verhalten eine Form des Hedonismus darstellt, der ans Parasitäre grenzt. Wie auch immer – wir leben in einer freien Gesellschaft und das Modell des Frugalismus ist eine mögliche Form der Lebensgestaltung. Rechnen Sie selbst, ob es sich für Sie lohnen könnte, in das Lager der Anspruchslosen, aber finanziell Unabhängigen, zu wechseln.

Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße

Ihr (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Senioren
Wolfgang Schiele

© Wolfgang Schiele 2020 | Coaching50plus | https://www.coachingfiftyplus.de