Foto: Wolfgang Schiele

Wenn wir unser Leben im fortgeschrittenen Stadium Revue passieren lassen, dann denken wir meist an einzelne Episoden, die uns damals wie jetzt positiv gestimmt haben oder immer noch freudig stimmen. Mal erinnert man sich an die eine, mal an die andere lebensprägende Situation. Aber die wenigsten haben sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wann und aus welchem Anlass sie sich entwickelt haben und wie die Ereignisse untereinander im Zusammenhang oder in Relation miteinander auf unserer Time-Line stehen. Und so gibt es lediglich ein mehr oder weniger zufälliges Konvolut aus Momentaufnahmen. Wie wäre es denn, wenn wir uns in der Gesamtschau unserer Existenz einen Überblick darüber verschaffen, durch welche Höhen und Tiefen wir wann gegangen sind …?

Wie fühlte es sich an, wenn man alle signifikanten sinnlichen Ereignisse auf einem Zeitstrahl darstellte? In chronologischer Reihenfolge? Und jedes Mal seinen persönlichen Wohlfühlpegel, seinen seelischen Glückszustand mit einem Wert zwischen 0 (zu Tode betrübt und völlig am Boden zerstört) und 10 (himmelhoch jauchzend und euphorisch bis zum Anschlag) bewerten würde? Wie würde unsere ganz persönliche Kurve aussehen, zu welchen Zeitpunkten und aus welchen Anlässen entstanden Mut, Zuversicht und Glücksgefühle und wann spürten wir Hoffnungslosigkeit, Ohnmacht und Lebenszweifel?

Ich habe nachfolgend eine ganz einfache Vorlage dafür mitgebracht. Auf ihr kann man in Form von Punkten den jeweils gefühlten Pegel der Glückseligkeit oder auch der Niedergeschlagenheit zu den verschiedenen Zeitpunkten eintragen und danach die Punkte untereinander verbinden. Wann befanden wir uns in Phasen der Depression und wann war das Dasein einfach nur eine fortwährende Glückssträhne? Wie lange dauerten die Wohlfühlmomente und Tiefschläge? Wann und wodurch wurden sie abgelöst? Was war das niederschlagenste Ereignis und welche Episode ist bis heute nicht getoppt worden?

Grafik: Wolfgang Schiele

Ich kann mir gut vorstellen, auch gleich mehrere Lebensverlaufskurven in die Vorlage einzutragen: einen für das persönliche Glück, einen für die finanzielle Situation, einen für die berufliche Karriere usw. Den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Bei mehreren Verlaufskurven auf einer gemeinsamen Time-Line kann man auch erkennen, welche positiven Ereignisse sich quasi potenzierten, welche sich ggf. neutralisierten oder miteinander noch weiter in den Keller hinunterzogen …

Eine etwas modifizierte Möglichkeit, für sich eine Lebenszufriedenheitskurve zu erstellen, ist folgende: Man nehme besondere Lebensereignisse als gegeben an (wie Einschulung, Studium, Berufseintritt, den ersten Nachwuchs …) und bewerte die Ereignisse an Hand eines Ressourcenpegels. Auch hier ist 10 ein extrem positiver und 0 ein grenzwertig negativer Zustand. Welche Situation oder Episode kann heute für Sie noch als wichtiger Kraftquell und psychische Unterstützung in Krisenzeiten dienen? Wo reicht allein die wertvolle Erinnerung oder der energiereiche Impuls, um optimistisch und erwartungsvoll in die Zukunft zu blicken?

Grafik: Wolfgang Schiele

Egal, welche Kurve(n) sie nutzen, gleich, welche Verlaufskategorie(n) Sie für sich festlegen – immer wieder entsteht ein Gesamtbild der eigenen Biografie, das nun im komplexen Draufblick ganz neue und oftmals selbstwertsteigernde Sichten auf das zurückgelegte Leben ermöglicht.

Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße!

Ihr (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Senioren
Wolfgang Schiele

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