
„Ikigai“ ist das japanische Konzept für „das, wofür es sich zu leben lohnt“. Es geht darum, Lebensfreude zu entfalten und Zufriedenheit zu erlangen. Das philosophische Konzept des „Ikigai“, der Entwurf eines erfüllten Lebens, geht in der japanischen Geschichte und Tradition sehr weit zurück. Bekannt wurde es jedoch vor allem im Zusammenhang mit einem Diagramm, das von Andres Zuzunaga 2011 entworfen wurde. Zugegeben, Zuzunaga klingt sehr japanisch, hat aber mit Japan nichts zu tun. Zuzunaga ist ein spanischer Astrologe, der ausgehend vom Geburtshoroskop Fragen der menschlichen Bestimmung in den Mittelpunkt stellt. Und sie später auch auf den Businesskontext adaptierte.
Das moderne europäisierte „Ikigai-Modell“ stammt von Marc Winn, der mit den vier Fragen
„Was liebst du?”,
„Worin bist du gut?”,
„Was braucht die Welt?” und
„Wofür kann man dich bezahlen?“
ein hervorragendes Kriterienmodell nicht nur für die Organisationsentwicklung in Unternehmen geschaffen hat. Denn ich persönlich finde, dass Ikigai auch vier wichtige sinn-, wert- und zweckbezogene Fragen für Menschen im Übergang vom Beruf in den Ruhestand stellt. Damit schließt dieses Modell nahtlos an die Muster und Vorlagen an, die ich bereits in meinem Buch „Selbstmanagement im Ruhestand“ (Springer, 2022) vorgestellt und besprochen habe.

Die gemeinsame Schnittmenge zweier aneinander grenzender Kreise befriedigt jeweils ein menschliches Bedürfnis: Zwischen den Fragen „Worin bist du gut?“ und „Wofür kann ich dich bezahlen?“ können wir uns z. B. im Beruf beweisen, unsere Fähigkeiten und Fertigkeiten einsetzen und erhalten dafür einen bestimmten Lohn.
Optimal erfüllend wäre das Leben, wenn alle Komponenten gleich ausgeprägt wären und harmonisch miteinander in Beziehung stünden. Dann würden wir ein erfüllendes Leben haben und unser „Ikigai-Konzept“ mit großer Lebensfreude genießen und rundum zufrieden sein. Das ist aber der Idealfall.
Was wir machen können, ist eine Bestandsaufnahme und zu schauen, wo es bereits Überschneidungen gibt und wo Defizite liegen. Gerade im Übergang vom Beruf in den Ruhestand gehen Antworten verloren, die sich ausschließlich auf unsere Profession bezogen haben. Wir verlieren Schnittmengen zwischen einzelnen Kriterien, worunter unsere Bedürfnisse leiden. Und wir entfernen uns erst einmal insgesamt vom ersehnten Zentrum des Ikigai – der Lebensfreude und de Zufriedenheit.
Eine Wiederannäherung ist aber gut möglich. Auf den Ruhestand bezogen müssen wir uns u. a. folgende Frage stellen:
1 Wenn ich etwas liebe, das ich auch gut mache und was auch der Gesellschaft nützt – wie kann ich sicherstellen, dass ich dafür auch einen monetären Beitrag zur Rente hinzuverdiene, um einen auskömmlichen Ruhestand zu finanzieren?
2 Wenn ich für etwas bezahlt werde, was ich gern tue und damit auch einen wertvollen gesellschaftlichen Anteil leiste – was kann ich dafür tun, um meine Selbstzweifel und Unsicherheiten an den eigenen Fähigkeiten im Alter gegenüber den jüngeren Generationen auszuräumen?
3 Wenn ich in etwas wirklich gut bin, etwas, was auch der Umwelt oder sozialen Einrichtungen hilft und dafür auch noch einen Obolus erhalte – wie kann ich gegen die Leere und Kälte in mir angehen, die sich durch eine gewisse Altersdiskriminierung in mir breitmacht?
4 Wenn ich meine (Frei-)Tätigkeit im Alter liebe, sie auch gut mache und noch dazu Geld dabei verdienen kann – was kann ich konkret tun, dass sie auch denen nutzt, die sich wie ich im Ruhestand befinden?
Was ist Euer/Ihr IKIGAI?
Wie lebt Ihr es, wie leben Sie es?
Worin bestehen Eure/Ihre wichtigsten Werte?
Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße!
Ihr (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Senioren
Wolfgang Schiele
© Wolfgang Schiele 2023 | Coaching50plus | http://www.coachingfiftyplus.de

18. Dezember 2023 at 15:09
Am Ende ist alles gut.
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