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Späte Freiheit Ruhestand

Vom Gelingen der dritten Lebenshälfte

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Transzendentes und Spirituelles

Die „letzten Dinge“… vom Sinn und von der Sinnlosigkeit

Es gibt nur zwei wirklich wichtige Termine im Leben, die wir nicht verpassen sollten. Einer davon ist uns bekannt – und wir waren pünktlich zur Stelle – es ist der Tag unserer Geburt. Den anderen können wir eigentlich gar nicht verpassen, doch wir kennen ihn nicht: Es ist der Tag des Abschieds.

Irvin Yalom, der vielleicht dienstälteste Psychotherapeut der Welt, hat sich intensiv damit befasst, was zwischen den beiden Terminen lebensprägend ist. Es sind für ihn die sogenannten „letzten Dinge“, die maßgeblich unsere physische und psychische Gesundheit beinflussen, existenzielle Krisen auslösen können und unsere seelische Verfassung ausmachen. Die Spannungsfelder, in denen sich sein Lebenswerk „Existenzielle Psychotherapie“ bewegt, schwingen zwischen den Polen von „Freiheit und Verantwortung“, „Isolation und Verbundenheit“, „Leben und Tod“ sowie „Sinnlosigkeit und Sinnsuche“ hin und her. Dieser Beitrag befasst sich mit den letzten beiden Termini.


Yalom geht davon aus, dass uns das Leben keinen Sinn mitgegeben hat. Unser Daseinszweck und unsere Bestimmung auf Erden bleiben erst einmal unergründlich. Außerhalb unseres eigenen Selbst wissen wir nicht einmal, ob eine objektive Welt um uns herum wirklich existiert oder ob wir sie uns nur konstruieren. Wenn wir uns nicht sicher sind, können wir uns die Frage stellen: „Sollten plötzlich alle Menschen sterben – gäbe es dann diese Welt noch?“ (hier bitte einen Moment innehalten und abwägen …) Uns gegenüber verhält sich die Welt völlig sinnfrei und gleichgültig. Außerhalb unseres Selbst ergibt die Welt nicht wirklich Sinn. Wenn uns aber die Welt keinen Sinn mitgegeben hat, dann kann er immer nur aus unserem eigenen Inneren heraus geschaffen, kreiert werden. Und dazu bedarf es des Mutes, ernsthafte Fragen an das eigene Leben und sein Umfeld zu stellen. Diese Fragen beginnen regelmäßig mit: „Warum sind wir da und wofür leben wir?“


Die bekanntesten Vertreter, die sich als Existenzialisten einen Namen gemacht haben, sind Jean-Paul Sartre und Albert Camus. Letzterer erkennt weder im Leben an sich einen Sinn, noch im Tod. Wobei der Tod der krönende Abschluss eines absurden, widersinnigen Lebens ist. Der Mensch hat nach Camus nur die Wahl, die Absurdität seines Seins anzuerkennen und anzunehmen, wenn er sich nicht durch Suizid aus dieser Absurdiät hinwegschleichen will. Damit bleibt der Mensch zwar Selbstgestalter seiner Welt, aber ohne in seinem Handeln einen Sinn zu sehen.


Viktor E. Frankl als Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse meint hingegen, dass der Mensch den Sinn im Leben braucht, um glücklich zu werden. Da es bekanntermaßen keine Universalrezepte für die Sinnfindung gibt, unterstützt er uns mit drei Wegweisern, seinen drei Hauptstraßen zum Sinn. Die erste Magistrale führt uns zu den Erlebniswerten, zu allem, was wir gemeinhin als das Gute, das Schöne und das Wahre bezeichnen. Die zweite ist eine Trasse entlang der schöpferischen Werte: den Dingen, Taten und Werken, die wir für uns, für andere und die Gesellschaft erschaffen haben. Und die dritte Schnellstraße führt zu unseren Haltungswerten, die uns z. B. persönliches Glück spüren lassen oder das Leiden in der Welt erträglich machen.


John Strelecky, der Autor des Weltbestsellers „Das Café am Rande der Welt“, lässt seinen Helden in einem Lokal stranden, in dem ihm drei Fragen gestellt werden, die er sich bisher noch nie gestellt hatte und die ihm bis dahin auch noch nie gestellt wurden. Entsprechend lange dauert seine Auseinandersetzung mit der Speisekarte, in der diese Fragen stehen. Die erste befasst sich mit seinen Werten: „Führst du ein erfülltes Leben?“ Die zweite fragt nach seiner Identität als Mensch: „Hast du Angst vor dem Tod?“ Und die letzte und wohl wichtigste fordert eine Antwort auf die Sinnfrage ein: „Warum bist du hier?“ – Die Antworten findet man meiner Meinung nach nur auf einer Reise zu sich selbst …

Nur wenn für mich selbst im Rückblick auf mein Leben eine individuelle Bedeutsamkeit auftaucht, wenn ich erkenne, mein früheres Handeln hatte (m)ein erstrebenswertes Ziel verfolgt und ich habe es versucht zu erreichen oder gar vollendet, dann entsteht Sinnesstolz. Der Stolz darüber, etwas geschaffen zu haben, was nicht nur schnödes Ergebnis meines Denkens und Tuns ist, sondern für mich und für andere eine Bedeutung darüber hinaus hat, verleiht meiner Handlung einen Sinn. Und genauso sieht es aus, wenn mein Blick in die Zukunft gerichtet ist: Ein Plan, ein Vorhaben, das meinen Wertevorstellungen entspricht und von dem ich überzeugt bin, macht ferneren Sinn aus. Und motiviert mich vom Start bis zur Vollendung.


Es bedarf wohl einer individuellen, idealisierten Werte- und Zielvorstellung, die man verwirklichen muss, um Sinnhaftigkeit zu spüren. Ohne eigene Vorgaben und Ideale durchs Leben zu gehen, geschweige denn daran zu denken, ins zielorientierte Handeln zu kommen, ergibt keinen wirklichen Sinn. Dagegen kann es schon ausreichen, wenn wir alltäglichen Verrichtungen einen höheren Zweck zuschreiben, als die gemeine Vernunft ihn einzuordnen vermag. Eine übergeordnete Bedeutung auf einer höheren Abstraktionsebene zu erkennen führt uns nämlich zu einem qualitativ neuen Verständnis des kleinen wie auch eines großen Weltzusammenhanges.

Auch wenn der Psychotherapeut Yalom die wesentlichen Ursachen für psychische Störungen aus seinen „letzten Dingen“ ableitete und bedeutende therapeutische Erfolge feiern konnte, so findet auch er nicht d i e Sinngeber an sich. Auch er ist sich der Schwierigkeit bewusst, sich selbst immer wieder ganz individuelle Sinnfragen stellen zu müssen – und vielleicht am Ende sogar eine absurde:

„Erfinde einen Sinn, der stabil genug ist, um als Fundament des Lebens zu dienen und vollziehe dann das knifflige Manöver, die eigene Urheberschaft an diesem Sinn zu leugnen.“

(Irvin D.Yalom, US-amerikanischer Psychotherapeut)

Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße

Ihr (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Senioren
Wolfgang Schiele

© Wolfgang Schiele 2020 | Coaching50plus | https://www.coachingfiftyplus.de

Unsere Charakter- und Signaturstärken

Das VIA-Institut on character (VIA = „Values in action“ oder: Werte in Aktion) entwickelte im Jahr 2000 Konzepte und Methoden, um einen „guten Charakter“ zu definieren und dessen Eigenschaften näher zu beschreiben. Daraus entstand in letzter Konsequenz das sog. „Modell der Charakterstärken“, ein wichtiger Strukturbaustein der Positiven Psychologie.

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Das Telefon am Rande der Welt …

Foto: Wolfgang Schiele

… hat erst einmal nichts zu tun mit dem Buch von John Strelecky „Das Café am Rande der Welt“. Oder doch ein wenig? Ja, vielleicht gibt es gewisse Parallelen, wenn man davon ausgeht, dass ich es nur deshalb gesehen und benutzt habe, weil ich mir einen Lebenstraum erfüllt hatte. Vielleicht sogar als Suchender nach Antworten auf die Streleckyschen Fragen „Warum bist du hier?“ und „Führst du ein erfülltes Leben?“

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Wie viel Ruhe(stand) braucht der Mensch?

Vor einigen Tagen fiel mir ein Exemplar der „Psychologie heute“ zwischen die Finger. Es war nicht mehr ganz taufrisch und ich merkte an den jungfräulichen Seiten, dass ich diese Zeitschrift noch gar nicht gelesen hatte (denn ich streiche immer etwas an in Büchern und Zeitschriften!). STILLE stand auf dem Titel – und ich verband den Begriff sofort mit RUHE, obwohl beides nicht identisch ist …

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„Ur-alt und trotzdem blut-jung“?

Sie scheinen wieder große Konjunktur zu haben – die Artikel, Berichte und (Zwischen-)Ergebnisse über die schier unendliche Verlängerbarkeit menschlicher Existenz. Gerade hat 3Sat der Wissenschaftssendung Scobel einen 45-minütigen Filmbeitrag über das breite Forschungsspektrum fürs „ewige Leben“ vorangestellt. Kurz darauf veröffentlichte „Die Zeit“ einen Aufsatz über die millionenschwere Unterstützung reicher Privatiers für kalifornische Start-Ups zur Forschung über „lebensverlängernde Maßnahmen“ …

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Die späten Traumata der „Centenarians“ (100+)

Im Jahre 2009 hat der Verlag Reader´s Digest eine Untersuchung initiiert, die die Lebenserwartungswünsche der Deutschen erfassen sollte. Die Teilnehmer hatten die Wahl, sich zwischen folgenden Alternativen zu entscheiden: Würden Sie gern 70 Jahre, 90 Jahre, 110 Jahre, 150 Jahre oder 300 Jahre alt werden oder ewig leben?

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Alternative FriedWald?

Als ich im Februar diesen Jahres meine Vorsorgeunterlagen zusammengestellt habe, stand für mich auch die Frage nach der Art meiner Bestattung an. Ohne lange nachzudenken, kreuzte ich „Friedwald“ an, weil ich viele Jahre recht naturverbunden gelebt habe. Aber konkrete Vorstellungen hatte ich damals noch nicht …

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Impressionen von der Brandenburgischen Landesgartenschau in Wittstock

© Wolfgang Schiele

Die Landesgartenschau in Wittstock/Dosse 2019 war und ist für viele BrandenburgerInnen Anlass, eine Auszeit in der Natur zu nehmen und zu schauen, was ihnen vor der Haustür so blüht …

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Raus aus der Matrix, rein in die Neuwelt!

Grafik: Pixabay

„Kann jemand endlich mal diese jämmerliche Projektion ausschalten? Das ist ja nicht mehr auszuhalten!“

Zum wiederholten Mal schreie ich es aus mir heraus und stelle plötzlich fest, dass meine Worte an der Schaltstelle angekommen sein müssen. Denn langsam beginnen die Bäume um mich herum zurückzuweichen, der blaue Himmel scheint sich langsam von mir zu entfernen und unter meinen Füßen entschwebt der Boden. Die Häuser, die vor mir liegende Straße und alles, was ich bisher noch sehen und anfassen konnte, verschwindet wie in einem zeitlupenhaften Rückwärtszoom im Nichts. Kurze Zeit später befinde ich mich in einem reinweißen Raum ohne ein Unten oder Oben, ein Vorn oder Hinten unterscheiden zu können. Es ist, als sei die absolute Starre, der ersehnte Stillstand der Welt eingetreten ist und ich an meinem sicheren Rückzugsort angekommen bin.

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