Es fängt ganz harmlos und unaufgeregt an – aber dann! Seit sechs Tagen sortiere ich mein Büro neu. Schon nach kurzer Zeit gestaltete sich der Plan, die mich umgebende Arbeitswelt nach meiner Zeit als Trainer und Coach neu zu ordnen, zu einer unerwarteten Sisyphosaufgabe. Ich kam mir vor wie bei einer vorgezogenen Nachlasssichtung (und kann nunmehr gut nachempfinden, was Menschen nach meinem Ableben für Arbeit mit meinen Hinterlassenschaften haben werden). Im untersten Fach meines langjährigen Büroschrankes stieß ich auf zwei Pakete zusammengeknoteter Hefte, Kladden und Notizbücher. Ihre Existenz war mir zwar noch bewusst, aber die Inhalte waren gedanklich längst zur Unkenntlichkeit verblasst. Ich knotete das erste Bündel auf, nahm das oberste Heft in die Hand, blätterte in einem meiner ersten Tagebücher …
Für den Weiterbestand der Menschheit bedarf es nicht wirklich einer Sinnfindung – sie wird als Spezies auch überleben, wenn deren Individuen keinen Lebenszweck verfolgen, keine Mission in sich spüren oder sich keinem abstrakten Großen und Ganzen unterwerfen. Das Universum hat für uns nicht wirklich Verwendung. Es gibt uns keine Sinnbestimmung vor, drängt uns nicht zur Sinnsuche. Die Welt verhält sich uns gegenüber völlig gleichgültig. Außerhalb unseres Bewusstseins macht sie keinen Sinn. Unser Treiben ist für die Natur ohne existenziellen Informations- oder Entwicklungswert – sie, die Natur, wird es in irgendeiner bedeutungsfreien und ergebnisoffenen Form immer geben, ohne auf eine spezielle Lebensform angewiesen zu sein oder deren Einfluss als bedrohlich betrachten zu müssen.
… ein Beitrag, der schon längere Zeit im Netz ist – mit 8,35% aller geteilten, themenbezogenen Beiträge hat es eines meiner Lieblingsgebiete wieder einmal geschafft, auf´s oberste Treppchen zu kommen: „Von Klagenden, Besuchern, Co-Moderatoren und anderen Kunden“ – eine Hommage an einen Altmeister der Lösungsfokussierten Kurztherapie, Steve de Shazer.
Auf Platz zwei folgt der Blogartikel „Stille Vermächtnisse – Oder: Im Auftrag der Eltern“, der insgesamt 6,04% der Zugriffe auf sich vereinen konnte.
Und den bronzenen Ehrenplatz belegt der Beitrag „Das 4-Mat-Modell und die VUKA-Welt“, auf den 5,23% entfielen.
Einen herzlichen Applaus für die Siegergruppe!
Allen, die sich gezielt mit diesem Blog identifizieren und ihn abonniert haben, aber auch jenen, die auf meine Beiträge rein zufällig oder im Ergebnis einer Recherche gestoßen sind, möchte ich ganz herzlich danken und noch ein gelingendes und gesundendes Jahr 2022 wünschen. Weiter so!
Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße!
Ihr (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Senioren Wolfgang Schiele
Die drohende Überlastung unseres Gesundheitswesens und insbesondere der Krankenhäuser ist mittlerweile ein Dauerbrenner in den Medien. Auch die Wochenzeitung DIE ZEIT schaltet sich in ihrer Ausgabe N° 49 in die Diskussion ein. Um den Zusammenbruch eines der angeblich besten Gesundheitssysteme der Welt zu verhindern, waren die gravierendsten Eingriffe in die freiheitlichen Rechte der Deutschen erforderlich, die es seit dem 2. Weltkrieg gab. Man darf jedoch bei aller Kritik an den temporären (Un-)Verhältnismäßigkeiten der Maßnahmen nie vergessen, dass das höchste Ziel menschlicher Freiheit der Erhalt des Lebens ist. Dem sollte sich alles unterordnen. Und das ist keinesfalls nur eine Frage der Mediziner und des Gesundheitswesens an sich.
Über den Zusammenhang von Lebensglück und Sinn im Leben habe ich bereits in meinem ersten Buch etwas geschrieben: „… Sinn bewegt sich auf einer höheren Abstraktionsstufe als Glück. Das Glück ist flüchtiger und drückt aus, was uns gegenwärtig wichtig ist und erfolgreich macht. Der Sinn beantwortet die Frage nach einer langfristigen, dem Großen und Ganzen untergeordneten, und dennoch individuellen Bestimmung …“ .
Wenn´s mal wieder knapp wird mit weißer Weihnacht … Impressionen aus 10 Jahren Winter- und Weihnachtsstimmung – ohne Worte, einfach so zum Schauen, Träumen und Verlieben.
Gerade las ich einen interessanten Beitrag zum Thema „Was schulden wir unseren Enkeln?“, der in der aktuellen Ausgabe der ZEIT (N° 51 vom 9.12.2021) abgedruckt ist. Die Autorin, Minouche Shafik, die zurzeit die London School of Economics führt, stellt dort u. a. unbequeme Fragen nach dem Gesellschaftsvertrag zwischen den Jungen und den Alten. Der alte Vertrag zwischen den Generationen ist obsolet, ein neuer noch nicht in Sicht.
Viele unserer seelischen Probleme beruhen darauf, dass unsere Selbstakzeptanz gestört, heruntergesetzt oder verletzt wird. Das geschieht sowohl durch eigene negative, selbstzerstörerische Gedanken wie auch durch den verletzenden Einfluss anderer Menschen. Liegt eine seelische Verletzung vor, dann leidet unsere Persönlichkeit, unsere Identität, unsere innere Beziehung zu uns selbst. Es bedarf eines gerüttelt Maß an Selbstfürsorge, um die Beziehung zu uns selbst wieder auf ein ausgeglichenes Niveau zu bringen und unsere Selbstakzeptanz zu festigen.
Selbstfürsorge beginnt damit, dass wir unsere pyschologischen Grundbedürfnisse kennen und verstehen lernen. Und sie bei jeder Gelegenheit zu stärken und zu entwickeln wissen, um in unangenehmen Situationen, in Stressmomenten oder in emotionalen Krisen Werkzeuge zur Hand zu haben, damit wir unsere Persönlichkeit vor Schaden und Krankheiten schützen können. Was sind das für Bedürfnisse, die wir bedienen und befriedigen sollten? Zu den wichtigsten psychologischen Grundbedürfnissen, so Dr. Michael Bohne, der Begründer der „Prozess- und Embodimentfokussierten Psychologie“ (PEP), gehören die Selbstakzeptanz, die Sicherheit, die Autonomie und die Beziehung.
Es gibt Situationen, in denen wir uns Selbstvorwürfe aufgrund eines vermeintlichen oder tatsächlichen Fehlverhaltens machen. Oder deshalb von Dritten mit Vorwürfen konfrontiert werden. Diesem unserem Auftreten messen wir unbegründeter Weise oftmals so viel Bedeutung zu, dass wir an den Grundfesten unserer Persönlichkeit zu zweifeln beginnen, uns deshalb in Grübelschleifen verfangen und möglicherweise sogar davon psychisch krank werden. Deshalb benötigen wir Selbstbestätigungen, um uns einerseits mit dem Vorgang kritisch auseinanderzusetzen, doch andererseits auch ein akzeptables und ausgeglichenes Verhältnis zu uns selbst zurückzugewinnen. Das sollte idealerweise sachlich und nachdenklich, aber in jedem Fall auch frohgemut und humorvoll geschehen. Für die Wiederherstellung der Selbstakzeptanz eignen sich Affirmationen (positive Selbstzuschreibungen), die zum einen die Situation beschreiben (1. Teilsatz) und zum anderen dann die Persönlichkeit achtsam, wertschätzend und selbstbestätigend stärken (2. Teilsatz). In der nachfolgenden Grafik steht dafür das linke Beispiel.
Grafik: Wolfgang Schiele/Pixabay
Neben der magelnden Selbstakzeptanz kann aber auch das Bedürfnis nach Autonomie gestört oder verletzt worden sein. Kritik oder Angriffen auf die Souveränität und individuelle Unabhängigkeit begegnet man am besten durch das Gutheißen, Billigen und Bestätigen der eigenen (Grund-)Werte, sozusagen auf der Ebene der langfristigen Überzeugungen oder tief verwurzelten Glaubenssätze. Dafür steht das zweite Beispiel von links in der Grafik.
Nach einem, wie auch immer gearteten Angriff auf die eigene Sicherheit, gilt es, die Kontrolle über die aktuelle Situation wiederzuerlangen. Oftmals ist es hilfreich, gedanklich aus der Situation herauszutreten und den Schauplatz des „Angriffes“ oder der Auseinandersetzung zu verlassen, um von einer höheren Warte, quasi aus der Vogelperspektive, einen Überblick zu bekommen. Wer den Masterplan seines Lebens kennt und weiß, welche Kompetenzen ihn bisher durch die Untiefen des Lebens hindurchgeholfen haben, findet für sich eine kraftvolle und stärkende Affirmation.
Unser Überleben ist auf die sozialen Verbindungen zwischen den Menschen angewiesen. In diesen Beziehungen – sei es im persönlichen oder beruflichen Kontext – kommt es immer wieder zu Ströungen und Verwerfungen. Ungeachtet dessen gibt es Bindungen zwischen den Menschen, die stärker, belastbarer und haltbarer sind, als uns die aktuelle Situation glauben macht. Auch wenn – wie in unserem Beispiel rechts auf der Grafik – die große Menge an Arbeit das intime Zusammenleben (temporär) beeinträchtigt, wird die Liebe die Beziehung langfristig zusammenhalten …
Grafik: Wolfgang Schiele
Für den (Wieder-)Aufbau und das (Wieder-)Erstarken der Selbstakzeptanz sollten wir uns in der Kunst der Selbstbestätigung üben. Vordergründig geht es in allen Mustern immer wieder darum, ein (vermeintlich) unangemessenes Verhalten klar von der Integrität der Persönlichkeit zu trennen. Sie ist der Würde gleichzusetzen, die im Grundgesetz als unantastbar beschrieben wird. Stärken wir also immer wieder unseren Selbstwert durch die Erhöhung unserer Selbstakzeptanz; versuchen wir uns in Selbstbestätigungsübungen, die uns im Ernstfall von krankmachenden psychischen Störungen schützen können. Der Schlüssel dazu sind positive, wertschätzende und kraftvolle Affirmationen für die Befriedigung unserer Grundbedürfnisse.
Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße
Ihr (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Best ager Wolfgang Schiele
Im Rahmen seiner Forschungen zur Schematherapie hat der deutsche Psychotherapieforscher Klaus D. Grawe vier psychische Grundbedürfnisse herausgearbeitet. Neben den biologischen Basisbedürfnissen, die der Mensch zum Funktionieren und Überleben in unserer Welt braucht, müssen für die Entwicklung einer gesunden Persönlichkeit weitere, möglichst ausbalancierte psychosoziale Bedürfnisse befriedigt werden. Dabei handelt es sich um das Streben nach Bindung, nach Kontrolle und Orientierung, nach Selbstwerterhöhung und nach Lustgewinn bzw. Unlustvermeidung.