Für Irvin Yalom, dem womöglich dienstältesten Psychotherapeuten der Welt (geb. 1931), gehört die Freiheit zu den sogenannten „letzten Dingen“ („ultimate concerns“). Er hält sie u. a. für einen konfliktbesetzten Wert, der das Individuum in ein existenzielles Dilemma treiben und psychologische Störungen von erheblichem Krankheitswert auslösen kann. Das wird ganz besonders dann offensichtlich, wenn man den Gegenspieler der Freiheit, die Verantwortung, mit einbezieht. Auch im Ruhestand behält der Antagonismus zwischen Freiheit und Verantwortung seine hohe Aktualität bei …
Wenn wir die Arbeitswelt – also unser angestammtes berufliches Umfeld – verlassen, dann geht uns etwas sehr Wichtiges im Leben verloren: Die Zugehörigkeit zu einer großen Gruppe von Menschen, mit denen wir viele Jahre oder gar Jahrzehnte lang fachliche und berufliche Inhalte geteilt haben.
Wenn wir das Berufsleben verlassen (müssen), dann wird sich ein Großteil unseres Umfeldes verändern. Auf diesen Wechsel in den verschiedensten Lebensbereichen werden wir in aller Regel nicht vorbereitet …
Wozu soll daran eigentlich gut sein, was der Schiele da macht? Da berät oder coacht oder trainiert ein ausgebildeter Coach mit Heilerlaubnis und einem Dutzend Weiterbildungen mit therapeutischem Hintergrund Endfünfziger oder startende Sechziger für den Eintritt in ihren Ruhestand. Und die bezahlen ihn auch noch dafür! Als ob diese Leute nicht selbst darauf kommen würden, wie man eine glückliche dritte Lebensphase auslebt, wenn sie nur ein klein wenig nachdenken würden …
Schön wär´s. Aber die Realität zeigt, dass eine große Zahl von Menschen sich die einmalige Chance entgehen lässt, diese Zeit zur besten ihres Lebens zu machen. Denn leider wurden wir weder von der Gesellschaft, von der Wirtschaft oder von der Politik angehalten oder gar darüber geschult, welche Herausforderungen mit dem Übergang vom Beruf in den Ruhestand einhergehen. Für unseren Berufseintritt mussten wir eine Legitimation vorlegen: ein Diplom, einen Meisterbrief, eine Lehrabschlussprüfung, aber mindestens jedoch einen Schulabschluss nachweisen. Beim Eintritt in die Rente verlangt niemand von uns ein Zertifikat, eine Beglaubigung oder eine Urkunde darüber, ob wir reif und qualifiziert genug für dritte Lebensphase sind. Und vor allem: Ob wir diese auch entsprechend erfolgreich und erfüllt gestalten können.
Aber noch ist nichts verloren! Ganz individuell und achtsam können wir uns einem qualifizierten, erfüllten und sinnorientierten Ruhestand nähern: Im Rahmen von interaktiven Workshops und Seminaren, durch informative Vorträge und Buchlesungen. Aber auch mit Team- oder Individualcoachings. Letztere bauen auf drei wesentlichen Säulen auf: dem Lebensrückblick, dem aktuellen Lebens(zwischen)fazit und der (neuen) Lebensplanung.
Lebensrückblick
Der erste Schritt in meinem Übergangscoaching ist eine aufrichtige, positive und achtsame Rückschau vom Gipfel meines Lebensberges, auf dem ich angekommen bin, nach unten auf den durchschrittenen Lebenspfad. Ich nenne es auch den Blick in den „Rückspiegel des Lebens“. In einer geschützten Umgebung nehme ich mir die Zeit, das Gewesene in meinem Leben zu reflektieren und als Gewinn zu verbuchen. Es geht darum, meine Vergangenheit im Lichte das damals Machbaren zu verstehen, die Geschehnisse als unkorrigierbar anzunehmen und die Resultate als wertvolle Erfahrungen meines eigenen Lebensweges zu akzeptieren. Alles, was geschehen ist, ist das Ergebnis meiner Selbstwirksamkeit. Es macht keinen wirklichen Sinn, „verlorenen“ Chancen nachzutrauern; der unausgeführte „Plan B“ ist bedeutungslos geworden.
Lebenszwischenfazit
Im zweiten Schritt mache ich einen „Boxenstopp“; hier geht es um ein Innehalten im Hier und Jetzt. Denn die wichtgsten Entscheidungen im Leben habe ich längst getroffen. Oder anders gesagt: um den Lebens-TÜV mit der Aussicht auf die nächsten Jahre „betriebssicherer Zeit“. Es geht es um die Würdigung und Wertschätzung des Erreichten, und zwar in allen Lebensbereichen, nicht nur im beruflichen Kontext. Welche persönlichen Erfolge habe ich für mich verbuchen können, welche Rückschläge habe ich eingesteckt und was habe ich daraus für die Zukunft gelernt. Und: Welche einschneidenden Ereignisse haben mich geprägt, stärker gemacht oder mich sogar nachhaltig verändert im Verhältnis zu mir selbst und meiner Umwelt? Wie nutze ich am besten diese noch nie dagewesene Chance, aus einem weitgehend fremdbestimmten Lebensabschnitt in einen selbstbestimmten zu wechseln? Bisherige entfremdende Arbeit in Freitätigkeit zu transformieren? Wie versöhne ich mich mit dem Gedanken nun nicht mehr so viel Zeit vor mir zu haben, wie bereits hinter mir liegt?
Lebensplanung
Im dritten Schritt schalte ich den „Visionsscheinwerfer“ an: Die Sicht auf meine Zukunft wird erleuchtet! Hier heißt es für mich, mit den Fähigkeiten und dem Erfahrungsschatz eines langen Lebens die ureigenen persönlichen Visionen in konkrete Ziele zu verwandeln, meinen Lebensplan noch einmal zu überdenken und anzupassen an die neuen Bedingungen. Es geht um nicht mehr und nicht weniger, als darum, die persönliche Biografie zu vollenden! Bisher wurde ich weitgehend von den Restriktionen des Berufes und der Existenzsicherung bestimmt – jetzt sollte ich mich zum aktiven Gestalter meiner dritten Lebensphase weiterentwickeln! Lange Zeit wurde ich von verschiedenen Unternehmen nachhaltig geprägt, jetzt gilt es, mein eigenes „Unternehmen Ruhestand“ zu führen.
Mehr über meine Angebote in meinem Profil bei Xing (www.xing.de), auf meiner Internetseite oder hier im Blog bei „Meine Angebote“ oder „Neu 2019“.
Im Übergang vom Beruf in den Ruhestand tritt eine Vielzahl von Veränderungen ein. Zu den wichtigen Changeprozessen gehören zweifelsohne die Neugewichtung des Lebensmittelpunktes, die strukturelle Umgestaltung von Alltagsabläufen, die Transformation der sozialen Rollen und die Neuorientierung auf veränderte Ziele …
Meine ersten vorsichtigen Schritte und Erfahrungen mit dem Thema „Herausforderung Ruhestand“ in der Öffentlichkeit habe ich vor etwa fünf Jahren in Volkshochschulkursen gemacht. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich überwiegend, manchmal sogar ausschließlich, vor Frauen moderierte. Männer waren Mangelware …
Gerade in der heutigen Zeit, in der die Mehrheit der Deutschen das 50. Lebensjahr überschritten hat, sollte der Fortbildung für diese Altersgruppe einen ganz besonderen Stellenwert erhalten. Zumal die Zunahme des Wissens mit der 4. technischen Revolution eine nie gekannte Geschwindigkeit angenommen hat und sich komplette Arbeitswelten von analog auf digital umstellen.
Was alles muss man unternehmen, testen, ausprobieren, um als aktiv alternder Mensch tatsächlich seine sinnvolle und erfüllende Altersaufgabe für sich zu finden und auszugestalten?