Neulich im sozialen Netzwerk XING: Ein Kontakt stellt sich einem anderen Kontakt vor (übrigens hasse ich den herabsetzenden Begriff „Kontakt“, wenn sich zwei leibhaftige Menschen für einen wertschätzenden Austausch zum gegenseitigen Vorteil – und sei es im Netz – entscheiden …). Das kommt täglich tausendfach vor, aber die Profilbeschreibung macht mich stutzig …

Steht dort in seinem Portfolio: „Gebietsmanager im Ruhestand, angestellt. Hä, wie jetzt? Wie geht das denn zusammen: Manager, Ruheständler, Angestellter? Also entweder noch immer Manager, dann doch kein Ruheständler! Wenn doch noch aktiver Manager, dann vielleicht als (Un-)Ruheständler. Und kann man als wirklicher Ruheständler noch angestellt sein? Und wenn ja: will man das überhaupt? Ist man da nicht freigestellt von den Anstellungszwängen? Womöglich wäre da freitätig eine Alternative, so im Nebenjob, um die sozialen Beziehungen aufrecht zu erhalten? Vielleicht fällt es dem einen oder anderen ja leichter, im Ruhestand noch den strukturellen Vorgaben des Berufslebens zu folgen. In Ermangelung des eigenen Antriebs oder eigenunternehmerischer Ruhestandsinteressen?

Ich halte die Vorstellung im Portfolio durchaus für seriös und durchdacht. Und sie kann uns durch ihre Formulierung sehr viel verraten. Zum Beispiel, dass der womöglich langjährig als Gebietsmanager tätige Angestellte noch nicht loslassen konnte vom Beruf, ihn auch im Ruhestand immer noch als Lebensinhalt begreift und sich mit der früheren Profession weiterhin identifiziert. Also er keinen wirklichen Schlussstrich gezogen hat – und das auch gar nicht wollte

Als langjähriger (Vor-)Ruhestandstrainer empfehle ich allen angehenden Berufsabschlüsslern, sich konsequent, endgültig und ohne lange Trauer, ggf. mit einem nachhaltigen Ritual, vom Berufsleben zu trennen. Das vermeidet das zermürbende Grübeln über den Sinn des Berufes, die damit verbundenen Verluste aller Art oder auch den Zorn über nicht erreichte Karriereziele. Die rigorose Trennung vom Primärberuf schließt ja nicht aus, dass man sich nach dem Ende seiner zweiten Lebensphase noch eine andere, neue, selbstbestimmte und beglückende Tätigkeit sucht, findet oder selbst kreiert. Z. B., um Körper, Geist und Seele fit zu halten.

Vielleicht sollte ich den Herrn bei XING direkt fragen, wie ich seine Profilbeschreibung zu verstehen habe. Denn leider erfahre ich aus dem Text nicht viel mehr, als Namen und Unternehmen und eben diese o. g. vier Worte. Frage an den geschätzten Leser dieses Beitrages: Wie würden Sie sich, als frischer oder gestandener Ruheständler, in einem sozialen Netzwerk vorstellen?

Vielen Dank für Ihr Interesse und beste Grüße – Ihr (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Senioren Wolfgang Schiele

Copyright Wolfgang Schiele 2019 | Coaching50plus | http://www.coachingfiftyplus.de